Tareno View April 2025

In der aktuellen Ausgabe der Tareno View beleuchtet unser CIO Simon Lutz, wie politi­sche Verän­de­rungen in den USA und Europa Kapital­ströme und Märkte neu formen und wie sich Tareno in diesem Kontext positio­niert. Er zeigt auf, welche Auswir­kungen diese Verschie­bungen auf die Perfor­mance von US- und europäi­schen Aktien haben und unter­streicht einmal mehr die Bedeu­tung eines diver­si­fi­zierten Portfo­lios.

Veröf­fent­licht: 07.04.2025

Politik und Kapital auf neuen Wegen

Das erste Quartal 2025 war auf beiden Seiten des Atlan­tiks von markanten politi­schen Kurswech­seln geprägt. In den USA bremst die neue Regie­rung die eigene Wirtschaft mit protek­tio­ni­sti­schen Massnahmen und einem harten Sparkurs. In Europa hingegen führen die geopo­li­ti­schen Heraus­for­de­rungen und der Druck aus Washington zu überfäl­ligen Investi­tionen in Vertei­di­gung und Infra­struktur. In der Folge verschieben sich die Kapital­ströme – weg von den USA, hin zu Europa. Diese Umschich­tung hat an den Märkten deutliche Spuren hinter­lassen. Während europäi­sche Aktien im ersten Quartal um 6% zulegten, verloren US-Aktien ‑4%.

Einmal mehr zeigt sich: Ein breit diver­si­fi­ziertes Portfolio schützt vor Überra­schungen. Für langfri­stig orien­tierte Anleger gilt es, sich nicht von Schlag­zeilen leiten zu lassen, sondern das grosse Ganze im Auge zu behalten. Denn früher oder später wird das Thema Zölle wieder in den Hinter­grund rücken, die Unter­nehmen werden sich an die neuen Regeln im Welthandel anpassen und andere Themen, wie zum Beispiel die positiven Aspekte der Trump-Agenda, werden wieder stärker im Fokus stehen.

Makro­öko­no­mi­sches Umfeld

Politi­sche Richtungs­wechsel

Riskante US-Politik

Dass Donald Trump, kaum im Amt, erneut Zölle erhebt, überrascht kaum – wohl aber das Tempo und der Umfang. In den ersten zwei Monaten seiner zweiten Amtszeit hat er den effek­tiven US-Zollsatz von 2% auf rund 8% vervier­facht – Tendenz steigend. Damit liegen die Zölle bereits deutlich über dem Niveau seiner ersten Amtszeit und auf dem höchsten Stand seit dem Zweiten Weltkrieg. Entgegen der bis vor kurzem weit verbrei­teten Annahme scheinen Zölle für die Trump-Admini­stra­tion nicht nur ein Verhand­lungs­in­stru­ment zu sein, sondern das Mittel der Wahl für eine umfas­sende Reindu­stria­li­sie­rung Amerikas.

Wie auch immer Trumps Strategie im Detail aussehen mag, die Neben­wir­kungen des chaoti­schen Handels­kriegs sind in den Stimmungs­in­di­ka­toren bereits deutlich spürbar: Verun­si­cherte Unter­nehmen, sinkende Konsu­men­ten­stim­mung und steigende Infla­ti­ons­er­war­tungen. Auch wenn die Funda­men­tal­daten insge­samt noch auf ein anspre­chendes US-Wirtschafts­wachstum hindeuten, sind die Risiken einer stärkeren konjunk­tu­rellen Abküh­lung und einer sich wieder beschleu­ni­genden Infla­tion gestiegen.

Europa mit neuer Dynamik

Gleich­zeitig vollzieht sich in Europa ein grund­le­gender Politik­wechsel. Deutsch­land lockert angesichts der globalen Spannungen die Schul­den­bremse – mit dem Ziel, sowohl die Vertei­di­gungs­aus­gaben als auch die Investi­tionen in die vernach­läs­sigte Infra­struktur massiv zu erhöhen. Zinssen­kungen, sinkende Energie­preise und ein mögli­cher Waffen­still­stand in der Ukraine könnten der seit Jahren stagnie­renden europäi­schen Wirtschaft weitere positive Impulse geben.

Mit dem wirtschafts­po­li­ti­schen Kurswechsel verschiebt sich die Wachs­tums­dy­namik: Während die USA an Schwung verlieren, zeigt Europa Aufwärts­ten­denzen.

 

 

Marktkommentar

Kapital kehrt zurück nach Europa

Hält die Trend­wende an?

In den letzten Jahren war der US-Markt ein Magnet für globales Kapital, getragen von einem unerschüt­ter­li­chen US-Konsum und einem beein­druckenden Gewinn­wachstum im Techno­lo­gie­sektor. In unserer letzten Ausgabe haben wir auf das abneh­mende Aufwärts- und zuneh­mende Enttäu­schungs­po­ten­zial von US-Techno­lo­gie­ak­tien hinge­wiesen und empfohlen, bei hoher Portfo­lio­kon­zen­tra­tion einen Teil der Gewinne zu reali­sieren und in andere Markt­seg­mente zu diver­si­fi­zieren.

Die zuneh­menden Wachs­tums­sorgen in den USA führten zu massiven Kapital­rück­flüssen nach Europa und in andere Märkte. Beson­ders betroffen waren ameri­ka­ni­sche Techno­lo­gie­ak­tien. Auf der anderen Seite verzeich­neten die europäi­schen Aktien­märkte zum Teil zweistel­lige Kursge­winne. Die Umschich­tung von Kapital zeigt sich auch an den Devisen­märkten – der US-Dollar hat seit Jahres­be­ginn gegen­über dem Euro um 4,5 % abgewertet.

Ist diese Kapital­ver­schie­bung und Outper­for­mance von Europa zu den USA nachhaltig oder handelt es sich um eine einma­lige Umschich­tung nach einer übermäs­sigen US-Positio­nie­rung?

Obwohl sich das Momentum zugun­sten Europas gedreht hat, sehen wir gute Gründe, sowohl kurz- als auch langfri­stig in US-Aktien investiert zu bleiben:

Wachsender Wider­stand: Gegen radikale Zollpläne wird sich Wider­stand aus Politik, Wirtschaft und Finanz­märkten formieren. Eine Abschwä­chung extremer Handels­be­schrän­kungen scheint wahrschein­lich.

Themen­wechsel: Mit zuneh­mender Klarheit über die neue Handels- und Fiskal­po­litik wird die Unsicher­heit nachlassen und die markt­freund­li­cheren Aspekte der Trump-Agenda wie regula­to­ri­sche Erleich­te­rungen und niedrige Steuern werden wieder in den Vorder­grund rücken.

Bewer­tung: Der Bewer­tungs­auf­schlag für US-Aktien hat sich aufgrund der jüngsten Under­per­for­mance gegen­über dem Rest der Welt deutlich verrin­gert.

Struk­tu­relle Stärken der USA und Schwä­chen der EU: Innova­ti­ons­kraft, Kapital­ver­füg­bar­keit, Unter­neh­mertum und Markt­grösse sprechen weiterhin für die USA. Die struk­tu­rellen Schwä­chen der EU bleiben bestehen und die Umset­zung neuer fiska­li­scher Impulse braucht Zeit.

Insge­samt schätzen wir das Chancen-Risiko-Verhältnis von US-Aktien gegen­über europäi­schen Aktien nach dem Abbau überhöhter US-Positionen wieder als relativ ausge­gli­chen ein. Unsere Empfeh­lung lautet daher, nicht den USA oder Europa den Vorzug zu geben, sondern auf eine ausge­wo­gene Mischung von USA und Europa (inkl. Schweiz) im Portfolio zu achten.

Anlage­po­litik

Breit aufge­stellt durch Turbu­lenzen

Gerade in einem volatilen Markt­um­feld zeigen sich die Vorzüge einer ausge­wo­genen und langfri­stig ausge­rich­teten Alloka­tion. Anstatt takti­scher Schnell­schüsse konzen­trieren wir uns auf die Konstruk­tion von Portfo­lios, welche sich in unter­schied­li­chen Szena­rien gut entwickeln können. Die breite Diver­si­fi­ka­tion über Regionen und Sektoren hinweg hat sich erneut als zentraler Stabi­li­täts­anker erwiesen.

US-Aktien: Rückschlag als Chance

Anlegern ohne oder mit nur geringem US-Engage­ment empfehlen wir, die jüngsten Kursrück­gänge zum schritt­weisen Aufbau einer strate­gi­schen Position zu nutzen. Im Techno­lo­gie­sektor sind die Wachs­tums­aus­sichten intakt, nicht zuletzt dank der rasanten Fortschritte und hohen Investi­tionen im Bereich der künst­li­chen Intel­li­genz, während die Bewer­tungen einiger grosser Techno­lo­gie­un­ter­nehmen unter dem Durch­schnitt der letzten Jahre liegen. Attraktiv sind auch US Mid Caps, welche von dem wirtschafts­freund­li­cheren Teil der Trump-Agenda beson­ders profi­tieren werden.

Infra­struktur: Stabi­lität in bewegten Zeiten

Zur weiteren Diver­si­fi­zie­rung und Stabi­li­sie­rung unserer Portfo­lios haben wir kürzlich in den Swiss Life Privado Infras­truc­ture Fund investiert.

 

 

Dieser Fonds bietet Zugang zu privaten Infra­struk­tur­un­ter­nehmen in Westeu­ropa und den USA – mit Schwer­punkt auf Trans­port, Kommu­ni­ka­tion und Energie. Infra­struk­tur­an­lagen kombi­nieren zuver­läs­sige und stabile Erträge mit struk­tu­rellem Wachstum, das durch Digita­li­sie­rung, Dekar­bo­ni­sie­rung und einen hohen Moder­ni­sie­rungs­be­darf getrieben wird.

Viele dieser Eigen­schaften treffen auch auf unsere neu aufge­baute Aktien­po­si­tion Véolia zu. Der globale Markt­führer für Umwelt­dienst­lei­stungen verfügt über überzeu­gende Wachs­tums­chancen, insbe­son­dere im Bereich Wasser­ma­nage­ment. Die Bewer­tung ist im histo­ri­schen Kontext günstig – ein attrak­tiver Einstiegs­zeit­punkt.

Gold: Rückfüh­rung auf Strate­gie­ge­wicht

Gold hat sich erneut als wirksames Instru­ment zur Portfo­lio­ab­si­che­rung und langfri­stigen Wertauf­be­wah­rung bewährt. Die zahlrei­chen Risiken im Zusam­men­hang mit Infla­tion, Geopo­litik und Staats­ver­schul­dung haben in den letzten zwei Jahren zu einem Anstieg um 58% geführt. Während Gold ein strate­gi­scher Bestand­teil unserer Portfo­lios bleibt, haben wir die Gewich­tung wieder auf das ursprüng­liche Niveau von 5% zurück­ge­führt, um die aufge­lau­fenen Gewinne zu reali­sieren.

 

Autor

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Bilder: Marijke Vosmeer, IStock, Pixabay, Unsplash

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