FuW Forum: Bitcoin für Konser­va­tive, Stable­coins für Banken

Vom speku­la­tiven Nischen­pro­dukt zur etablierten Anlage­klasse: Wie die Schweizer Finanz­branche digitale Vermö­gens­werte zähmt – und wo die Risiken lauern.
Bild Zeitungen

Krypto­wäh­rungen rücken ins Zentrum der Vermö­gens­ver­wal­tung. Doch auf dem Weg in die tradi­tio­nellen Finanz­port­fo­lios warten Heraus­for­de­rungen. Das zeigten die Vorträge und Diskus­sionen am FuW Forum Block­chain in Finan­cial Services.

Den Auftakt machte ein pointierter Warnruf. Fabian Schär, Professor an der Univer­sität Basel, analy­sierte das Anreiz­sy­stem der grössten Krypto­wäh­rung. Wenn künftig bei Bitcoin die Beloh­nungen für Miner wegfallen und nur noch Trans­ak­ti­ons­ge­bühren bleiben, droht eine massive Insta­bi­lität durch sogenannte Block-Races.

Bei solchen Wettrennen konkur­rieren Miner darum, bereits erstellte Blöcke an Trans­ak­tionen anderer anzugreifen und zu überschreiben, um sich so lukra­tive Trans­ak­ti­ons­ge­bühren zu sichern. Schärs klares Fazit: «Bitcoin hat in der langen Frist ein massives Problem.»

Trotz solcher Warnungen gehören digitale Assets in die Vermö­gens­ver­wal­tung. Darin war sich das anschlies­sende Panel einig. Josef Bollag, Teilhaber des Vermö­gens­ver­wal­ters Tareno, empfiehlt sogar konser­va­tiven Anlegern eine Krypto­bei­mi­schung von 1 bis 5%. «Wir haben das als eine asymme­tri­sche Wette angesehen», erklärte er den frühen Einstieg seines Hauses – also eine Anlage mit grossem Gewinn­po­ten­zial bei wenig Verlust­ri­siko.

Auch Konstan­tinos Ntefel­oudis, Chief Invest­ment Officer von Maerki Baumann & Co., sieht die Anlage­klasse als essen­ziell an. Er rät zu 2 bis 3% im Portfolio, gekop­pelt mit striktem Rebalan­cing. Zur Techno­logie sagt er: «Wer da nicht mitmacht, ist in meinen Augen selbst schuld.»

Auch grosse Insti­tute haben den Markt längst entdeckt. Peter Hubli von der Zürcher Kanto­nal­bank betonte das Inter­esse seines Insti­tuts an der Block­chain: «Wir haben grosse Unter­stüt­zung, was die Techno­logie angeht.»

Doch bei der Umset­zung hakt es teilweise noch. Vor allem jenseits von Bitcoin und Ether mahnte Olivier Favre von der Anwalts­kanzlei Schel­len­berg Wittmer Ltd. zur Vorsicht. «Es gibt wenig regula­to­ri­sche Klarheit darüber, wie man mit diesen Vermö­gens­werten umgeht», fasste der Anwalt die Lage bei exoti­scheren Coins zusammen.

Den Schluss­punkt setzten die an den Dollar oder Franken gekop­pelten Stable­coins. Jan Weiss­brodt von der Schwei­ze­ri­schen Bankier­ver­ei­ni­gung sieht darin keine Bedro­hung für das Geschäft der Banken, sondern eine neue Zahlungs­in­fra­struktur. Er forderte jedoch weitsich­tige Regeln: «Stable­coins disrup­tieren nicht die Finanz­in­ter­me­dia­tion, sondern vielmehr deren Regulie­rung.» Die Schweiz müsse daher den Regulie­rungs­rahmen nun quali­täts­wah­rend mitge­stalten.

Quelle: Finanz und Wirtschaft (FuW), Alexander Trentin, «Bitcoin für Konser­va­tive, Stable­coins für Banken», mit Josef U. Bollag, Teilhaber und Verwal­tungsrat der Tareno AG, 06.05.2026.

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