Healthcare Innovationen: Klinische Risiken richtig einordnen
Die Entwicklung neuer Medikamente bedeutet, Hypothesen über die menschliche Biologie zu testen. Und diese ist komplex und nicht vollständig vorhersehbar. Selbst bei fundierter Wissenschaft, sorgfältig konzipierten klinischen Studien und vielversprechenden frühen Daten bleibt der Ausgang klinischer Studien mit Unsicherheit verbunden. Dieses Risiko war schon immer Bestandteil von Investitionen in Healthcare Innovationen.
Bemerkenswert ist heute jedoch weniger, dass klinische Studien scheitern, sondern vielmehr, wie stark und wie schnell der Markt ein einzelnes Studienergebnis auf andere Unternehmen überträgt.
Wenn ein Studienergebnis einen ganzen Bereich bewegt
Immer häufiger führt ein Rückschlag bei einem Medikament zu unmittelbaren Kursreaktionen bei Unternehmen, die wissenschaftlich oder kommerziell als ähnlich wahrgenommen werden. Dies geschieht teilweise auch dann, wenn sich die Wirkstoffe, Wirkmechanismen, Studiendesigns oder Patientengruppen deutlich unterscheiden. In jüngster Zeit haben wir mehrere Beispiele dafür gesehen:
Nach dem Scheitern der HORIZON Studie von Novartis gerieten auch Amgen und NewAmsterdam unter Druck.
Nach dem Misserfolg der HARBOR Studie von Novartis wurden ebenfalls die Aktien von Dyne Therapeutics und Sarepta belastet.
Nach den Ergebnissen der CARDIO-TTRansform Studie zu Wainua von AstraZeneca und Ionis geriet auch Alnylam unter Druck.
Eine solche Übertragung auf vergleichbare Unternehmen kann durchaus gerechtfertigt sein. Zunehmend entsteht jedoch der Eindruck, dass der Markt zunächst reagiert und erst anschliessend differenziert.
Warum Healthcare Expertise entscheidend ist
Für uns als Healthcare Investoren zeigt sich gerade in solchen Situationen, wie wichtig fundierte Branchenkenntnisse sind.
Die Biologie verstehen
Klinische Ergebnisse müssen im Kontext der zugrunde liegenden Wissenschaft beurteilt werden. Entscheidend ist nicht nur die Schlagzeile eines Studienergebnisses, sondern was dieses Ergebnis aus wissenschaftlicher Sicht tatsächlich bedeutet.
Zwischen Unternehmen differenzieren
Wirkstoffe, Wirkmechanismen, Studiendesigns und Patientengruppen können sich erheblich unterscheiden, selbst wenn Unternehmen auf den ersten Blick vergleichbar erscheinen. Eine differenzierte Analyse ist deshalb notwendig, um beurteilen zu können, inwiefern sich ein Studienergebnis tatsächlich auf andere Unternehmen oder Wirkstoffe übertragen lässt.
Risiken und Chancen beurteilen
Übertragungsreaktionen können kurzfristig zu erhöhter Volatilität führen. Gleichzeitig können daraus Chancen entstehen, wenn der Markt ein negatives Studienergebnis zu pauschal auf andere Unternehmen überträgt.
Auf die Fundamentaldaten fokussiert bleiben
Eine langfristige Perspektive hilft dabei, einzelne Datenpunkte richtig einzuordnen, relevante Signale von kurzfristigem Marktrauschen zu unterscheiden und den Fokus auf die fundamentale Entwicklung eines Unternehmens zu behalten.
Spezialisierung schafft Orientierung
Klinische Rückschläge werden auch künftig Teil von Healthcare Innovationen bleiben. Für Investoren kommt es deshalb darauf an, die wissenschaftlichen Hintergründe zu verstehen und Marktreaktionen differenziert zu beurteilen. Gerade in einem komplexen und forschungsintensiven Bereich wie dem Healthcare-Sektor kann tiefgehende Branchenexpertise helfen, Risiken besser einzuordnen und mögliche Chancen zu erkennen.
Autorin: Dr. Maria Specogna
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