Investitionsbedarf trifft Nachfrage
Im August lieferten überraschend gute Unternehmenszahlen den Aktienmärkten Rückenwind. Gleichzeitig hielt der anhaltende Iran-Konflikt die Energiepreise hoch und schränkte den Schiffsverkehr durch die Strasse von Hormus stark ein. Die damit verbundenen Inflationssorgen verstärkten den Aufwärtsdruck auf die langfristigen Zinsen. Europäische Aktien bewegten sich insgesamt seitwärts, während der S&P 500 weitere 2,6% zulegte und sich die japanischen und koreanischen Märkte von ihrer Juli-Korrektur erholten. In diesem uneinheitlichen Umfeld war die Titelauswahl wichtiger als die allgemeine Marktrichtung.
Zwei Signale aus dem globalen Wassersektor
Zwei Entwicklungen zeigten im August, wie unterschiedlich Investitionsbedarf im Wassersektor entsteht. Smart Water Magazine rückte am 28. August die Finanzierung der globalen Sanitärversorgung in den Mittelpunkt. Rund 3.4 Mrd. Menschen leben weiterhin ohne sicher gemanagte Sanitärversorgung; zugleich bringt jeder investierte US-Dollar nach Schätzung der Weltgesundheitsorganisation einen wirtschaftlichen Nutzen von rund USD 5.50. Dennoch verfügen weniger als 13% der Länder über genügend finanzielle und personelle Ressourcen, um ihre eigenen Wasserpläne umzusetzen. Entscheidend ist deshalb nicht nur das verfügbare Kapital, sondern auch eine tragfähige Projektstruktur. Bei zwei Kläranlagen in Makkah (Saudi-Arabien) entfallen rund 30% der Gesamtkosten auf Systeme zur Wiederverwendung des gereinigten Abwassers. In Brasilien wurde dagegen ein Privatisierungspaket über drei Lose im Wert von rund USD 1.2 Mrd. abgebrochen, nachdem nur für ein Los ein Gebot eingegangen war und die geforderten Garantien nicht erbracht wurden. Für Investoren ist die Botschaft klar: Der Bedarf ist gross, doch Kapital fliesst nur, wenn Einnahmen, Risiken und Garantien überzeugend geregelt sind. Das zweite Signal kam aus der Dürre. Thames Water berichtete am 24. August, dass mittlerweile mehr als 75’000 akustische Sensoren im Leitungsnetz eingesetzt werden (gegenüber 21’000 im Jahr 2025). Zusammen mit KI-gestützten Satellitendaten halfen sie dem Versorger, 88% mehr Lecks aufzuspüren als im Vorjahr. Gleichzeitig verliert das Netz weiterhin rund 570 Mio. Liter aufbereitetes Wasser pro Tag. Das Beispiel zeigt, wie die Kombination aus alternder Infrastruktur und Wasserknappheit den Einsatz digitaler Überwachung beschleunigt – und damit die Nachfrage nach entsprechender Technologie stützt.
Unternehmensnachrichten
Die mögliche Konsolidierung bei den Ingenieurberatungen blieb im August im Fokus. WSP Global bestätigte im Q2-Call am 6. August, dass Arcadis auch den zweiten, am 23. Juli unterbreiteten Vorschlag abgelehnt hatte. Die Offerte belief sich auf EUR 51.50 je Arcadis-Aktie und sollte ungefähr je zur Hälfte in bar und in WSP-Aktien bezahlt werden; ein erster Vorschlag über EUR 48,50 war zuvor ebenfalls zurückgewiesen worden. Strategisch würde eine Kombination die geografische Reichweite und die Kompetenzen beider Unternehmen ergänzen. Arcadis sah sich jedoch weiterhin unterbewertet und verwies auf die Risiken der hohen Aktienkomponente, der höheren Verschuldung bei WSP und der Integration. Diese Bedenken sind nachvollziehbar, zumal WSP erst im Februar die CAD 4.6 Mrd. schwere Übernahme von TRC abgeschlossen hat. Ende August bestand weder eine Vereinbarung noch ein formelles öffentliches Angebot. Beide Unternehmen sind im Fonds vertreten.
Bei den US-Versorgern kam der geplante Zusammenschluss von American Water Works und Essential Utilities einen Schritt voran. Am 17. August teilten die Unternehmen mit, dass die kartellrechtliche Wartefrist am 14. August abgelaufen war. Freigaben aus Kentucky, Ohio und Virginia lagen zu diesem Zeitpunkt vor; in Texas war eine Grundsatzeinigung erzielt worden. Am 28. August erzielten die beteiligten Parteien in Pennsylvania eine Einigung, die noch von der dortigen Aufsichtsbehörde genehmigt werden muss. Der Abschluss der Transaktion wird weiterhin bis Ende des ersten Quartals 2027 erwartet.
Auch die Cybersicherheit rückte im August stärker in den Vordergrund. Nach koordinierten Angriffen auf mehr als 30 kommunale Wassersysteme in Minnesota mahnte die American Water Works Association (AWWA) zu erhöhter Wachsamkeit. In diesem Zusammenhang stellten die Senatoren Amy Klobuchar und Adam Schiff den Water Cyber Shield Act vor. Der Entwurf soll der US-Umweltbehörde EPA klarere Aufsichtsbefugnisse geben und zusätzliche Bundesmittel für den Schutz lokaler Wasser- und Abwassersysteme bereitstellen. Für Anbieter von Überwachungs- und Steuerungstechnik wird Cybersicherheit damit zunehmend zu einem festen Bestandteil der Infrastrukturinvestitionen.
Berichtssaison im Überblick
Die Berichtssaison war von starken Ergebnissen nordamerikanischer Wasserinfrastruktur-Unternehmen geprägt. Mueller Water Products erzielte ein Rekordquartal; die bereinigte EBITDA-Marge stieg um 440 Basispunkte auf 27.1%, getragen von der stabilen kommunalen Reparatur- und Ersatznachfrage. Advanced Drainage Systems steigerte den Umsatz im ersten Quartal um 21% auf gut USD 1 Mrd. Im Nichtwohnbau blieben insbesondere Geschäftsbauten, Logistikimmobilien und Rechenzentren robust. Watts Water erreichte im zweiten Quartal einen Rekordumsatz von USD 763 Mio. Der Umsatz mit Rechenzentren hat sich gegenüber dem Vorjahr mehr als verdreifacht und machte im ersten Halbjahr 8% des Konzernumsatzes aus. WSP Global meldete Nettoumsätze von CAD 4.27 Mrd. (+22.9%), ein bereinigtes EBITDA von CAD 815 Mio. (+28.8%) und einen Rekord-Auftragsbestand von CAD 20.1 Mrd. Das Management hob daraufhin den Finanzausblick für 2026 an.
In Lateinamerika steigerte SABESP den bereinigten Umsatz mit Wasser- und Abwasserdienstleistungen um 6.7%. Höhere Kosten für Dienstleistungen und Aufbereitungschemikalien belasteten jedoch die Marge. Die Investitionen im ersten Halbjahr nahmen um 15.6% auf BRL 7.5 Mrd. zu, da das Unternehmen den Ausbau der Versorgung weiter beschleunigt. In Europa meldete Geberit am 19. August für das erste Halbjahr einen Nettoumsatz von CHF 1’711 Mio. Dies entspricht einem Plus von 2.8% in Schweizer Franken und 5.9% in Lokalwährungen. Der Gewinn je Aktie legte währungsbereinigt um 10.9% zu.
Drei Themen zogen sich durch die Berichtssaison: eine weiterhin robuste kommunale Nachfrage, der wachsende Beitrag von Rechenzentren und eine insgesamt disziplinierte Margensteuerung trotz höherer Kosten.
Fondsperformance
Der Tareno Global Water Solutions Fund schloss den August mit einer Rendite von ‑0.79% (Tranche W‑EUR) ab. Die europäischen Positionen leisteten einen deutlich positiven Beitrag. Dem standen Kursrückgänge bei den japanischen Titeln und bei SABESP gegenüber.
Die drei stärksten positiven Beiträge stammten von Arcadis, GEA Group und Georg Fischer. Jede Position steuerte etwas mehr als einen Viertelprozentpunkt zur Fondsrendite bei. Arcadis meldete für das zweite Quartal ein organisches Auftragswachstum von 13.5% und einen Rekord-Auftragsbestand von EUR 4.0 Mrd. Zusätzlichen Rückenwind erhielt die Aktie durch die anhaltende Übernahmespekulation rund um WSP Global. GEA erhöhte die Jahresprognose für Umsatz und Marge und kündigte ein Aktienrückkaufprogramm über bis zu EUR 500 Mio. an. Bei Georg Fischer stützten die bereits im Juli veröffentlichten Halbjahreszahlen, darunter ein hoher Auftragseingang in den Bereichen Halbleiter und Wasserinfrastruktur. Im August gab es dagegen kaum neue unternehmensspezifische Meldungen.
SABESP war der grösste negative Beitragslieferant. Trotz Fortschritten beim Ausbau der Versorgung standen im zweiten Quartal der Margendruck und die deutlich höhere Nettoverschuldung im Vordergrund. Kurita Water Industries gab ebenfalls nach. Zwar stiegen Umsatz und Auftragseingang kräftig, im Elektronikgeschäft belasteten jedoch Zusatzkosten bei einem grösseren Anlagenprojekt die Profitabilität. Gorman-Rupp verlor im August trotz der Ende Juli gemeldeten Rekordwerte bei Umsatz und Gewinn. Auch Ebara, Organo und Takuma entwickelten sich schwächer. Da es bei mehreren japanischen Positionen gleichzeitig kaum neue negative Unternehmensmeldungen gab, spricht vieles dafür, dass vor allem die Sektorrotation und die Positionierung im Yen eine Rolle spielten.
Nachhaltigkeit im Fokus
Im August rückte die physische Seite des Klimarisikos stärker in den Fokus. Responsible Investor berichtete, dass Union Investment, Allianz Global Investors und Deka Investment mit Portfoliounternehmen darüber sprechen, wie sie sich auf die sehr niedrigen Wasserstände des Rheins einstellen. Der Rhein ist eine zentrale Handelsroute für Chemikalien, Kraftstoffe, Stahlvorprodukte und Getreide zwischen den Niederlanden und der Schweiz. Bei Niedrigwasser können Frachtschiffe weniger laden; in Extremfällen kommt der Verkehr auf einzelnen Abschnitten zum Erliegen.
Für Wasserinvestoren ist diese Initiative relevant, weil sie Wasserverfügbarkeit als konkretes finanzielles Risiko für industrielle Lieferketten behandelt. Die Gespräche gehen damit über klassische Emissionsziele hinaus und richten den Blick auf die praktische Anpassung an ein verändertes Klima – etwa bei Transportwegen, Kühlwasser und alternativen Bezugsquellen. Gerade in diesem Bereich unterscheiden sich Transparenz und Vorbereitung europäischer Unternehmen noch deutlich.
Portfolioaktivität
Im August wurde das Portfolio gezielt angepasst. Die Position in Wienerberger wurde reduziert, da die Schwäche in wichtigen europäischen Bauendmärkten länger anhält als zu Jahresbeginn erwartet. IDEX und Pentair wurden aufgestockt; beide Unternehmen verfügen über etablierte Pumpen- und Steuerungstechnologien und bedienen langfristig wachsende Wassermärkte. Neu aufgenommen wurde Per Aarsleff. Der dänische Infrastrukturspezialist ist über sein Segment Pipe Technologies auf die grabenlose Sanierung von Wasser- und Abwassernetzen ausgerichtet. Im Februar erwarb Aarsleff zudem 49.5% am kanadischen Spezialisten LiquiForce Services und stärkte damit den Zugang zum nordamerikanischen Markt. Der Fonds bleibt auf Unternehmen mit gut sichtbaren Auftragsbeständen und strukturell gestützter Nachfrage ausgerichtet.
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Publikationen
Tareno Wasserfonds
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Fund Manager
s.schuetz@tareno.ch
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Bilder: Marijke Vosmeer, Luzia Hunziker, Jürg Kaufmann, Istock, Unsplash / Grafiken: Tareno AG