Vorsicht in Phasen der Selbstzufriedenheit

Die Aktienmärkte steigen von Höchststand zu Höchststand und scheinen die Belastung durch US-Zölle bereits abgehakt zu haben. Die eigentliche Bremswirkung auf Wachstum und Arbeitsmarkt wird jedoch erst in den kommenden Monaten vollständig sichtbar. Kurzfristig ist daher Vorsicht angezeigt: Selektives Rebalancing und Zurückhaltung bei Neuinvestitionen sind sinnvoll. An der übergeordneten Anlagestrategie besteht hingegen kein Anpassungsbedarf, denn mittel- bis langfristig bleiben die Perspektiven für Aktien attraktiv.

Aktienmärkte schütteln Handelszölle ab

Vor rund fünf Monaten löste die Ankündigung des US-Präsidenten, hohe Importzölle zu erheben, eine Schockreaktion an den Aktienmärkten aus. Bereits nach einem Monat hatten sich die globalen Börsen vollständig erholt und steigen seither von Rekord zu Rekord, unbeirrt davon, dass der effektive US-Importzollsatz weiterhin bei rund 17 % liegt, dem höchsten Wert seit 1935. Ist das Thema damit also erledigt?

Schleichende Bremswirkung

Importzölle wirken wie eine Konsumsteuer: Sie verteuern Produkte und bremsen die Nachfrage. Ihre Wirkung zeigt sich jedoch erst verzögert, da Importeure Lagerbestände zunächst zu alten Preisen verkaufen oder Exporteure die Zölle vorübergehend selbst tragen. Laut dem unabhängigen Yale Budget Lab belastet dies das US-BIP derzeit mit −0,5 % und dürfte bis Mitte 2026 auf −1,0 % steigen. Bei dauerhaftem Bestand würden die Zölle das Wachstum nachhaltig um rund 0,4 % pro Jahr mindern.

Bremsspuren am Arbeitsmarkt

Setzen sich die Zölle in der gegenwärtigen Größenordnung fort (was derzeit wahrscheinlich erscheint), dürfte sich das US-Wirtschaftswachstum in den kommenden Monaten weiter abschwächen. Bis Ende 2026 könnten zudem rund 480’000 Arbeitsplätze verloren gehen. Diese Tendenz wird durch die jüngsten Arbeitsmarktdaten bestätigt.

Um dieser Entwicklung entgegenzuwirken, wird die US-Notenbank ihre Leitzinsen an den kommenden Sitzungen voraussichtlich weiter senken. Diese geldpolitische Normalisierung wird allerdings erst mit einer gewissen Verzögerung die Wirtschaft entlasten.

Divergierende Wachstumsaussichten

Deutlich günstiger präsentieren sich die Wachstumsperspektiven in den anderen beiden großen Wirtschaftsregionen. Zum einen dürfte der Effekt der US-Zölle auf das Welt-BIP (exkl. USA) lediglich rund −0,1 % betragen. Zum anderen verleihen bereits erfolgte Zinssenkungen und zusätzliche fiskalpolitische Stimuli dem Konsum und den Investitionen Rückenwind.

Insgesamt ist daher davon auszugehen, dass sich die Wachstumsdifferenz zu Gunsten des Rests der Welt und zu Ungunsten der USA verschiebt.

Angesichts dieser Divergenz, kombiniert mit ersten Warnsignalen einer übermäßig optimistischen Marktstimmung und hohen Bewertungen, realisieren wir vereinzelt Teilgewinne bei US-Technologiewerten.

 

Herausgeber: Tareno AG, Gartenstrasse 56, 4052 Basel, Tel. +41 61 282 28 00, info@tareno.ch, www.tareno.ch. Wir freuen uns über Rückmeldungen zu unserer Publikation. Vorliegender Inhalt dient lediglich zu Informationszwecken. Die Publikation enthält weder Rechts- noch Anlageberatung oder Anlageempfehlungen und stellt auch kein Angebot beziehungsweise keine Aufforderung zur Tätigung einer Anlage dar.

Bilder / Grafiken: Die Grafiken wurden von der Tareno AG aus öffentlichen Marktdaten gefertigt.

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