Starke Signale für den Wassersektor
Im Juni standen die Finanzmärkte im Spannungsfeld zwischen hartnäckiger Inflation, geopolitischen Risiken und überraschend robusten Unternehmensgewinnen. Die Notenbanken in den USA, Europa und Japan signalisierten, dass der Kampf gegen steigende Preise noch nicht abgeschlossen ist. Die Zinsen bleiben ein zentraler Einflussfaktor. Gleichzeitig liessen nachlassende Energiepreise und solide Konjunkturdaten die anfängliche Nervosität wieder abklingen. Die Aktienmärkte zeigten sich im Monatsverlauf sehr volatil und konnten den Monat dank eines Schlussspurtes weitgehend freundlich beenden.
Wasser wird zum Standortfaktor
Der Juni lieferte ein bemerkenswertes Signal dafür, wo Wasser in den Finanzmärkten inzwischen angekommen ist: im Prospekt des grössten Börsengangs der Geschichte. SpaceX, das inzwischen auch das KI-Geschäft xAI umfasst, verschärfte Anfang Juni die Risikohinweise im IPO-Prospekt zum Thema Wasser. Neu heisst es dort, die Verfügbarkeit von Wasser sei zu einem kritischen Kriterium bei Standortwahl, Bau und Betrieb von Rechenzentren geworden. Ein Satz, der in der ursprünglichen Fassung noch fehlte. Bemerkenswert ist die doppelte Rolle des Themas: Dieselben Unterlagen präsentieren die eigene Wasseraufbereitung und ‑wiederverwendung als Wettbewerbsvorteil. Wasser ist damit nicht mehr Fussnote, sondern Standortfaktor. Dahinter steht eine handfeste Grössenordnung: Die Wasserabhängigkeit amerikanischer Rechenzentren dürfte weiterhin zunehmen.
In Washington rückt derweil eine wichtige Frist näher. Ende September laufen die Wasserprogramme des Infrastrukturgesetzes IIJA aus, das die jährliche Bundesfinanzierung für Trink- und Abwasserprojekte seit 2022 rund vervierfacht hatte. Der Haushaltsentwurf der Regierung sieht zudem Kürzungen bei den staatlichen Wasserfonds (SRF) vor. Ein Vorstoss, den der Kongress im Vorjahr allerdings bereits einmal abgewehrt hat. Für Anleger bleibt das Bild dennoch intakt: Der Investitionsbedarf ist strukturell und langfristig, doch Finanzierungs- und Regulierungsfragen bestimmen zunehmend das Tempo, in dem Projekte tatsächlich umgesetzt werden.
Unternehmensnachrichten
Die ruhigen Wochen zwischen den Berichtssaisons nutzten mehrere Portfoliounternehmen für Strategisches. Advanced Drainage Systems, Spezialist für Regen- und Abwassermanagement, legte an seinem Investorentag Mitte Juni einen ambitionierten Fünfjahresplan vor: Bis zum Geschäftsjahr 2030 sollen der Umsatz auf über USD 4 Milliarden und das bereinigte EBITDA auf mehr als USD 1,2 Milliarden steigen, bei organischem Wachstum von über 8% pro Jahr. Die EBITDA-Marge soll über 30% bleiben, ein bemerkenswertes Niveau für ein Unternehmen, das einst als einfacher Rohrhersteller galt und sich über ein Jahrzehnt konsequent zum Anbieter technischer Wassermanagement-Lösungen entwickelt hat.
Core & Main holte einen prominenten Namen in den Verwaltungsrat: Susan Hardwick, ehemalige CEO von American Water, dem grössten börsennotierten Wasserversorger der USA. Für einen Händler, dessen Kundschaft überwiegend aus kommunalen Wasserwerken besteht, bringt diese Personalie die Kundenperspektive direkt ins oberste Gremium. Zudem eröffnete das Unternehmen im Quartal fünf neue Standorte; für das Gesamtjahr sind acht bis zehn geplant, so viele wie nie zuvor.
Ergebnisse im Überblick
Drei Portfoliounternehmen legten im Juni Zahlen vor, und ihre Resultate zeichneten die vertrauten Konturen des aktuellen Wassermarkts nach. Core&Main, US-Distributor für Wasserinfrastrukturprodukte, erzielte im ersten Quartal einen Umsatz von USD 1.91 Milliarden, praktisch auf Vorjahresniveau. Interessant war der Blick unter die Oberfläche: Die kommunale Nachfrage blieb stabil und verlässlich, der Brandschutzbereich wuchs auch dank Rechenzentren um 17%. Die Jahresprognose wurde bestätigt. Bemerkenswert: Das Management trat Sorgen um eine Finanzierungsklippe entgegen und verwies darauf, dass der Grossteil der US-Wasserinvestitionen auf Bundesstaats- und Gemeindeebene finanziert wird und robust bleibt.
Die stärksten Zahlen lieferte Halma. Der britische Sicherheits- und Umwelttechnikkonzern schloss sein Geschäftsjahr mit organischem Umsatzwachstum von 16% und dem 23. Gewinnanstieg in Folge ab; die Dividende wurde zum 47. Mal in Serie erhöht. Die Sparte Environmental & Analysis, Heimat der Wasseranalyse- und Qualitätsüberwachung, wuchs organisch um 34%.
Wertentwicklung des Fonds
Der Tareno Global Water Solutions Fund erzielte im Juni eine Rendite von +4.63% (Tranche W‑EUR). Angeführt wurde die Entwicklung von genau jenen Titeln, die vom Rechenzentrums-Thema profitieren: Watts Water, Anbieter von Ventil‑, Entwässerungs- und Kühlwasserlösungen, legte im Zuge einer Analystenaufstufung deutlich zu. Auch der Pumpenhersteller Gorman-Rupp zählte zu den stärksten Kontributoren. Pumpen für Brandschutz und Flüssigkühlung bleiben stark nachgefragt. Auf der anderen Seite gab Halma trotz Rekordzahlen spürbar nach. Der Markt hatte die starke Entwicklung offenbar weitgehend eingepreist, und der Ausblick liess ein moderateres Wachstumstempo erwarten. Auch die kanadischen Umweltdienstleister WSP und Stantec belasteten die Monatsentwicklung
Nachhaltigkeit im Fokus
Im Vormonat hielt dieser Bericht fest, dass Blue Bonds, Anleihen, deren Erlöse zweckgebunden in Wasser- und Meeresprojekte fliessen, bislang vor allem in Schwellenländern zu finden sind. Der Juni lieferte das Gegenbeispiel: Der Wassertechnologiekonzern Xylem begab den ersten Blue Bond eines US-Unternehmens überhaupt. Die Knappheit an nachhaltigkeitsgebundenen Anleihen im amerikanischen Markt verhalf dem Debüt zu vorteilhaften Konditionen. Investoren sprechen bereits von einem «Blue-mium». Die Transaktion ist mehr als eine Kuriosität: Sie zeigt, dass dedizierte Wasserfinanzierungsinstrumente auch in entwickelten Märkten genug institutionelle Nachfrage anziehen, um die Kapitalkosten eines Wasserunternehmens zu senken. Erweist sich der Preisvorteil als dauerhaft, haben andere börsennotierte Wasserunternehmen mit grossen Investitionsprogrammen einen offensichtlichen Anreiz zur Nachahmung.
Portfoliopositionierung
Die Entwicklungen im Juni bestätigen unseren ausgewogenen Portfolioansatz. Auffällig ist derzeit, dass die passiven Mittelzuflüsse in Wasser-ETFs ausbleiben. Wir befinden uns zunehmend in einem Umfeld, in dem gezielte Titelauswahl, gerade ausserhalb des US-lastigen ETF-Universums, ihren Wert ausspielen kann. Die strukturelle Nachfrage aus Rechenzentren entwickelt sich unabhängig vom kommunalen Investitionszyklus und stützt unsere Industrie- und Technologiewerte. Genau beobachten werden wir die Anschlussfinanzierung der auslaufenden US-Infrastrukturprogramme sowie die europäische Abwasserregulierung. Beides Faktoren, die weniger die Richtung als das Tempo des Investitionszyklus bestimmen. In den kommenden Wochen werden die Berichte der Unternehmen wieder in den Fokus rücken. Für Volatilität dürfte gesorgt sein. Diese schafft aber immer auch Opportunitäten.
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Publikationen
Tareno Wasserfonds
Verantwortlich
Stefan Schütz
Fund Manager
s.schuetz@tareno.ch
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Bilder: Marijke Vosmeer, Luzia Hunziker, Jürg Kaufmann, Istock, Unsplash / Grafiken: Tareno AG