Einschät­zung zum Iran-Konflikt

Die jüngste Eskala­tion zwischen den Verei­nigten Staaten, Israel und dem Iran sorgt für Ausschläge an den Finanz­märkten. Während Anleger in Gold und andere sichere Anlagen umschichten, rückt ein Markt beson­ders ins Zentrum: Energie. Öl reagiert mit einem markanten Preis­sprung, da die Strasse von Hormus zum geopo­li­ti­schen Nadelöhr wird. Wir ordnen die Entwick­lungen ein und zeigen, weshalb eine robuste, voraus­schau­ende Alloka­tion gerade in solchen Phasen entschei­dend ist.

Flucht in Sicher­heit

Nach den Luftan­griffen der Verei­nigten Staaten und Israel auf den Iran sowie den darauf­fol­genden Vergel­tungs­schlägen ist die Nervo­sität an den Finanz­märkten spürbar gestiegen.

Als Reaktion auf die Eskala­tion suchten Anleger Sicher­heit in Rohstoffen, während Aktien zu Wochen­be­ginn leicht schwä­cher tendierten.

 

Die Grafik zeigt die 1 Tages Performance von unterschiedlichen Anlage Sektoren. Öl schneidet mit +8.2% am besten ab, während er Airline Sektor mit -4.4% deutlich negativ ist.

Bilder / Grafiken: Die Grafiken wurden von der Tareno AG aus öffent­li­chen Markt­daten gefer­tigt.

Energie im Zentrum des Gesche­hens

Den grössten unmit­tel­baren Einfluss hat der Konflikt auf den Öl- und Gasmarkt. Rohöl notiert rund 8% höher als noch am Freitag. Seit Jahres­be­ginn beträgt der Anstieg sogar um die 30%.

Im Fokus steht die strate­gisch zentrale Strasse von Hormus. Durch diese Meerenge wird rund ein Fünftel des weltweit auf dem Seeweg trans­por­tierten Öls verschifft. Sollten Liefe­rungen durch militä­ri­sche Eskala­tion oder Blockaden beein­träch­tigt werden, wäre das Angebot kurzfri­stig kaum substi­tu­ierbar.

Entspre­chend sind Energie­ak­tien gefragt. Auf der Verlie­rer­seite stehen zykli­sche Sektoren und energie­in­ten­sive Branchen. Beson­ders stark betroffen ist der Flugver­kehr: Neben steigenden Kerosin­preisen belastet die Sperrung des Luftraums im Nahen Osten die opera­tive Planung. Aktien von Flugge­sell­schaften zählen folglich zu den grössten Verlie­rern zum Wochen­auf­takt.

Wie geht es weiter?

Entschei­dend für die weitere Entwick­lung an den Finanz­märkten ist die Dauer und Inten­sität der Störungen im Energie- und Logistik­be­reich. Die Bandbreite mögli­cher Szena­rien ist ungewöhn­lich gross und reicht von einer raschen diplo­ma­ti­schen Deeska­la­tion bis zu einer länger anhal­tenden militä­ri­schen Konfron­ta­tion mit globalen Folge­wir­kungen.

Das negative Szenario mit syste­ma­ti­schen Angriffen auf Energie­infra­struktur oder einer länger­fri­stigen Schlies­sung der Strasse von Hormus würde deutlich höhere Ölpreise, einen erneuten Infla­ti­ons­schub und eine Brems­wir­kung auf das globale Wirtschafts­wachstum nach sich ziehen.

Eine massive und dauer­hafte Angebots­un­ter­bre­chung liegt aller­dings nicht im Inter­esse der betei­ligten Akteure, da sie auch die eigene wirtschaft­liche Stabi­lität gefährden würde. Eine vollstän­dige Eskala­tion ist deshalb nicht unser Basis­sze­nario.

Was bedeutet das für die Portfo­lios?

Die geopo­li­ti­sche Gross­wet­ter­lage ist seit Monaten angespannt. Entspre­chend haben wir diesem Risiko bereits im Vorfeld Rechnung getragen durch:

  • Eine strate­gi­sche Goldal­lo­ka­tion
  • Ein substan­ti­eller Anteil an Schweizer Franken
  • Engage­ments im Rohstoff- und Energie­sektor

Diese Bausteine erhöhen die Wider­stands­fä­hig­keit der Portfo­lios im aktuellen Umfeld.

Einord­nung mit kühlem Kopf

Aufgrund der gestie­genen Risiken ist derzeit Vorsicht angebracht. Sollte sich der Konflikt unerwartet ausweiten oder struk­tu­relle Liefer­ketten dauer­haft beein­träch­tigen, könnten die Belastungen für Wachstum und Infla­tion substan­ziell ausfallen.

Aller­dings waren kriegs­be­dingte Markt­rück­gänge histo­risch betrachtet häufig temporär und boten im Nachgang attrak­tive Einstiegs­ge­le­gen­heiten.

Für den Moment halten sich aus unserer Sicht Chancen und Risiken die Waage, womit wir keinen Handlungs­be­darf sehen und an unserer gut ausba­lan­cierten Positio­nie­rung festhalten.

Autor

Simon Lutz
Simon Lutz
Chief Investment Officer

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