Wenn Quartals­zahlen den Markt bewegen

Die jüngsten Ergeb­nisse von Amazon und Micro­soft zeigen, wie stark einzelne Gross­un­ter­nehmen heute die Richtung des Gesamt­marktes beein­flussen. Beide Aktien zählen zu den Kernpo­si­tionen in unseren Classic Strate­gien. Auch in Weltmarkt­in­dizes nehmen diese Firmen mit Gewichten von 2.9% bezie­hungs­weise 3.8% wichtige Rollen ein.

Der Markt urteilt in Sekunden

Die unmit­tel­bare Börsen­re­ak­tion war ausser­ge­wöhn­lich: Amazon legte nach den Zahlen rund 15% zu, Micro­soft rund 16%. Bei Micro­soft entsprach dies einem Markt­wert­zu­wachs von ungefähr 450 Mrd. USD an einem einzigen Handelstag. Dies verdeut­licht, wie sensibel die Aktien­kurse grosser Techno­lo­gie­kon­zerne bereits auf vergleichs­weise kleine Abwei­chungen von den Markt­er­war­tungen reagieren.

Zwei starke Ergeb­nisse, ein gemein­samer Treiber

Amazon steigerte den Umsatz im zweiten Quartal um 20% auf 200.6 Mrd. USD und den opera­tiven Gewinn um 43%. Wichtig­ster Treiber war Amazon Web Services. AWS wuchs um rund 37% und erzielte eine opera­tive Marge von 39.4%. Auch das Werbe­ge­schäft entwickelte sich mit einem Wachstum von 26% sehr dynamisch.

Micro­soft erhöhte den Quartals­um­satz um 18% auf 90.0 Mrd. USD und den Netto­ge­winn um 31%. Die Cloud Platt­form Azure wuchs um 43% und überschritt im Gesamt­jahr erstmals die Umsatz­marke von 100 Mrd. USD. Mehr als 30 Millionen bezahlte Copilot Lizenzen zeigen zudem, dass die Moneta­ri­sie­rung von Künst­li­cher Intel­li­genz zuneh­mend im Kernge­schäft ankommt, auch wenn sie derzeit nur einen Bruch­teil des Gesamt­um­satzes von Micro­soft ausmacht.

Hohe Investi­tionen: Belastung jetzt, aber Voraus­set­zung für Wachstum

Beide Unter­nehmen investieren in ausser­ge­wöhn­li­cher Dimen­sion. Amazon erhöhte die Prognose für die Kapital­aus­gaben 2026 auf 220 Mrd. USD, Micro­soft erwartet rund 175 Mrd. USD. Der Gross­teil fliesst in Rechen­zen­tren, Chips, Netzwerke und weitere KI-Infra­struktur.

Kurzfri­stig belastet dies den Free Cashflow. Bei Amazon sank dieser auf Zwölf­mo­nats­sicht ins Negative, obwohl der opera­tive Cashflow kräftig stieg. Micro­soft weist hohe künftige Verpflich­tungen aus Rechen­zen­trums­ver­trägen aus.

Entschei­dend ist dabei nicht allein die Höhe der Investi­tionen, sondern ob daraus dauer­haft zusätz­liche Umsätze und attrak­tive Kapital­ren­diten entstehen.

Quartals­zahlen sind eine Moment­auf­nahme

Bei Amazon beschleu­nigte sich das AWS-Wachstum zum fünften Mal in Folge. Bei Micro­soft entwickelten sich das Cloud­ge­schäft und das Geschäft mit KI deutlich stärker als die schwä­cheren Bereiche PC und Xbox. Auch wenn dies bei beiden Firmen eine positive Entwick­lung darstellt, bleibt ein Quartals­be­richt eine Moment­auf­nahme.

Die langfri­stige Invest­ment­these bleibt intakt

Für unsere Einschät­zung stehen drei Fragen im Vorder­grund: Bleibt die Nachfrage struk­tu­rell hoch? Können die Unter­nehmen ihre führende Markt­po­si­tion vertei­digen? Und recht­fer­tigen die künftigen Cashflows die heutigen Bewer­tungen und Investi­tionen?

Bei Amazon und Micro­soft sehen wir diese Voraus­set­zungen weiterhin grund­sätz­lich erfüllt. Die starke Auftrags­lage, die beschleu­nigte Cloud Nachfrage und die wachsende Nutzung von KI-Anwen­dungen stützen die positive funda­men­tale Beurtei­lung. Gleich­zeitig müssen die kommenden Quartale zeigen, wie effizient die enormen Investi­tionen in zusätz­liche Erträge und freien Cashflow umgewan­delt werden.

Nicht jedem Kurssprung hinter­her­laufen

Eine positive langfri­stige Einschät­zung bedeutet nicht, jede kurzfri­stige Kursbe­we­gung fortzu­schreiben. Nach zweistel­ligen Tages­sprüngen steigt das Risiko, dass Anleger gute Nachrichten über eine bereits hohe Bewer­tung und weiter steigende Erwar­tungen doppelt bezahlen. Umgekehrt wäre es ebenso falsch, bei einer einzelnen Progno­se­ent­täu­schung eine intakte Invest­ment­these vorschnell aufzu­geben.

Konse­quenzen für die Portfo­lios

Für die Portfo­lio­steue­rung folgt daraus ein diszi­pli­nierter Mittelweg. Wir halten an quali­tativ hochwer­tigen Unter­nehmen mit nachhal­tigen Wettbe­werbs­vor­teilen fest, überprüfen aber laufend Positi­ons­grössen und Bewer­tungen. Gerade weil Amazon und Micro­soft grosse Index­ge­wichte und wichtige Portfo­lio­po­si­tionen in den Classic Strate­gien sind, muss ihre funda­men­tale Stärke mit einem bewussten Konzen­tra­ti­ons­ma­nage­ment verbunden werden.

Fazit

Amazon und Micro­soft haben den Aktien­markt kurzfri­stig spürbar beein­flusst. Für unsere Anlage­ent­schei­dungen ist der Kurssprung jedoch nicht das wichtigste Signal. Entschei­dend ist, dass sich die langfri­stigen Treiber bestä­tigt haben: beschleu­nigtes Cloud Wachstum, zuneh­mende KI-Moneta­ri­sie­rung, starke Markt­po­si­tionen und eine hohe Nachfrage nach digitaler Infra­struktur.

Wir bleiben deshalb bei beiden Unter­nehmen langfri­stig positiv einge­stellt. Zugleich beurteilen wir jedes Quartal als neuen Daten­punkt und nicht als endgül­tiges Urteil. Diese Perspek­tive hilft, kurzfri­stige Markt­be­we­gungen einzu­ordnen und Portfo­lios konse­quent an langfri­stiger Ertrags­kraft, statt an der nächsten Schlag­zeile auszu­richten.

Verant­wort­lich: Andreas Borer, Senior Portfolio Manager, a.​borer@​tareno.​ch

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Autor

Andreas Borer
Andreas Borer
Senior Portfolio Manager

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