Simon Lutz im Interview mit der FuW: «Nebenwerte haben jetzt hohes Kurspotenzial»
Wer bereits seit Längerem in US-Technologieaktien investiert ist, der solle das Gewicht dieser Titel im Portfolio reduzieren, meint Simon Lutz, Chief Investment Officer von Tareno. Er hält den heimischen Aktienmarkt nach wie vor für attraktiv. Insbesondere Nebenwerte würden in diesem Jahr in allen Märkten hohes Kurspotenzial bieten. Tareno, gegründet im Jahr 2000, gehört mit rund vierzig Mitarbeitern und einem verwalteten Kundenvermögen von 3,3 Mrd. Fr. zu den grössten unabhängigen Vermögensverwaltern der Schweiz.
Können Sie ein anderes Segment des Marktes nennen, das Sie eher aufstocken würden?
Unserer Meinung nach dürften die Nebenwerte, Small und Mid Caps, ein höheres Gewicht bekommen. Bei den Large Caps sind wir bei den Bewertungen am oberen Ende der Spanne angekommen, doch bei den Small und Mid Caps liegen die Bewertungen eher unter dem historischen Schnitt und das über alle Regionen hinweg. Zudem dürfte sich das Gewinnwachstum weiter ausbreiten und den kleineren Titeln Auftrieb geben. Das Segment profitiert auch überdurchschnittlich von den Zinssenkungen der Notenbanken. Diese haben ihre Wirkung noch nicht voll entfaltet.
Können Sie konkrete Unternehmen nennen, deren Aktien ihrer Meinung nach attraktiv sind?
Da stechen zwei Namen hervor, die eher kleinkapitalisiert sind und zudem aus dem heimischen Gesundheitssektor kommen und somit beide Anforderungen gleichzeitig erfüllen. Das wären das Dentalunternehmen Straumann und der Pharmaauftragsfertiger Siegfried.
Schwellenländeraktien werden oft als aussichtsreich eingestuft, nicht zuletzt dank der Dollarschwäche. Ist das auch eine gute Option für Schweizer Investoren?
Wir sind in Schwellenländern investiert, auch weil dadurch eine zusätzliche Diversifikation erreicht werden kann. Darüber hinaus sollte man auch Japan nicht vergessen, also Asien generell als attraktiver Markt. Im vergangenen Jahr haben auch die Börsen in Taiwan und Südkorea eine tolle Performance eingebracht. Trotz eines starken Börsenjahrs 2025 in Asien ist noch viel Potenzial vorhanden. Das Wirtschaftswachstum ist ordentlich und die Bewertungen starten von einem niedrigeren Niveau aus als in vielen Ländern des Westens. Dann hilft tatsächlich die Dollarschwäche, und höhere Rohstoffpreise sind auch grundsätzlich gut für die Emerging Markets.
Wo liegt Ihrer Meinung nach ein vernünftiges Gewicht im Portfolio für Schwellenländeraktien?
Das liegt bei rund 5%.
Wie sieht es geografisch sonst aus?
Die Schweiz macht bei uns rund ein Drittel des Portfolios aus. Die USA liegen ebenfalls bei etwa 30%. Der Rest verteilt sich über Europa, Japan und die Schwellenländer.
Die strukturelle Aufwertung des Frankens ist allerdings bei Auslandinvestitionen ein Risiko, da die Währungsentwicklung an der Rendite knabbert.
Für Frankenanleger ist es tatsächlich schwierig, die Aufwertung der Heimwährung kann einen Strich durch die Rechnung machen. So hat der S&P 500 im vergangenen Jahr um über 17% zugelegt, in Franken gerechnet waren es dann nur noch knapp über 3%.
Wird sich die Dollarschwäche fortsetzen?
Eine weitere Dollarschwäche ist wahrscheinlich, allerdings nicht in dem Ausmass wie im vergangenen Jahr. Wir erwarten eher eine kontrollierte Abwertung des Greenbacks, da er immer noch überbewertet ist. Wir sichern allerdings schon seit Jahren das Währungsrisiko des Dollars ab, auch auf der Aktienseite. Im vergangenen Jahr hat das extrem geholfen und die Schwankungen reduziert.
Wie hoch ist der Anteil, den sie im US-Aktienexposure absichern?
Strategisch sichern wir etwa die Hälfte ab.
Was ist Ihre Meinung zur künstlichen Intelligenz – Boom oder Bubble?
KI ist ein struktureller Investitionstrend, der noch viele Jahre weitergeht. Der Ausbau der benötigten Rechenleistungskapazität bleibt uns als Thema erhalten. Davon werden die Unternehmen profitieren, die für den Bau und den Betrieb dieser Rechenzentren zuständig sind. Und dann natürlich die ganze Halbleiterindustrie. In einer weiteren Welle sehen wir Potenzial bei den Anwendern, die dann die Kosten senken und die Produktivität steigern können. Hier sind dann insbesondere Unternehmen aus dem Bereich Software, Industrieautomation, Gesundheitswesen und Logistik gefragt. Namen wie ABB, Kühne+Nagel, Roche, SAP und Siemens kommen einem in den Sinn.
Für die europäische Konjunktur herrscht verhaltener Optimismus, primär auch dank des grossen Fiskalpakets in Deutschland. Ist das schon in den Aktienkursen eingepreist?
Es gibt schon noch Bedenken, ob die angekündigten Investitionsprogramme auch wirklich umgesetzt werden. Daran hapert es ja oft in Europa. Zudem hat die Wettbewerbsfähigkeit europäischer Unternehmen gelitten. Doch wenn die Erholung in der Industrie Fuss fasst, dann kann das die Gewinne deutlich steigern und auch die Bewertungen nach oben treiben. Somit kann die Outperformance von Europa, die wir im vergangenen Jahr beobachtet haben, durchaus weitergehen. Zudem sind die Nebenwerte auch in Europa noch günstig bewertet.
Was halten Sie von alternativen Anlagen?
Alternative Anlagen spielen bei uns eine immer wichtigere Rolle in der Allokation. Wir haben ihr Gewicht 2025 im Gesamtportfolio von 12 auf 17% ausgebaut, und dieser Ausbau hat insbesondere bei Privatmarktanlagen stattgefunden. Hier setzen wir auf Private Equity und Infrastruktur. So viele strukturelle Trends – Energiewende, hohe Staatsverschuldung, Digitalisierung, Ausbau von Rechenzentren – befeuern Infrastrukturanlagen. Auch bei Gold halten wir aufgrund der starken Rally ein Rebalancing auf die strategische Quote für sinnvoll. Wir haben rund 6% des Gesamtportfolios in das Edelmetall investiert. Kryptowährungen machen 2% des Portfolios aus.
Quelle: Finanz und Wirtschaft (FuW), Sylvia Walter, Interview mit Simon Lutz, Chief Investment Officer der Tareno AG, 20.01.2026.
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