Simon Lutz im Inter­view mit der FuW: «Neben­werte haben jetzt hohes Kurspo­ten­zial»

Der Anlage­chef von Tareno empfiehlt, die Gewich­tungen im Portfolio zu Jahres­be­ginn zu überprüfen. Umschich­tungen aus US-Tech-Aktien in den Gesund­heits­sektor und in Neben­werte seien sinnvoll.
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Wer bereits seit Längerem in US-Techno­lo­gie­ak­tien investiert ist, der solle das Gewicht dieser Titel im Portfolio reduzieren, meint Simon Lutz, Chief Invest­ment Officer von Tareno. Er hält den heimi­schen Aktien­markt nach wie vor für attraktiv. Insbe­son­dere Neben­werte würden in diesem Jahr in allen Märkten hohes Kurspo­ten­zial bieten. Tareno, gegründet im Jahr 2000, gehört mit rund vierzig Mitar­bei­tern und einem verwal­teten Kunden­ver­mögen von 3,3 Mrd. Fr. zu den grössten unabhän­gigen Vermö­gens­ver­wal­tern der Schweiz.

 

Herr Lutz, in unserem letzten Gespräch vor einem Jahr haben Sie für eine Home Bias von Schweizer Anlegern plädiert: Der heimi­sche Aktien­markt sei zu bevor­zugen. Wie ist Ihr Rat zum Jahres­be­ginn 2026?

Die Home Bias macht weiterhin Sinn für einen Schweizer Anleger, insbe­son­dere im aktuellen geopo­li­ti­schen Umfeld. Zum einen bietet der Schweizer Aktien­markt hohe Qualität in vielen Sektoren. Zudem ist der heimi­sche Markt attraktiv bewertet, im Vergleich zu anderen Aktien­märkten, insbe­son­dere den US-Titeln, aber auch relativ zur eigenen Historie.

 

Die globale Diver­si­fi­ka­tion des Portfo­lios sollte im aktuellen Umfeld wohl auch nicht unter­schätzt werden?

Absolut, Anleger sollten eine globale Diver­si­fi­ka­tion anstreben, weil nicht alle Sektoren in der Schweiz ausrei­chend reprä­sen­tiert sind und die Diver­si­fi­ka­tion das Risiko-Rendite-Profil des Portfo­lios verbes­sert.

 

Welche Sektoren vermissen Sie in der Schweiz, sodass auslän­di­sche Titel zum Zug kommen?

Das ist in erster Linie der Techno­lo­gie­sektor, wo wir relativ limitiert sind in der Schweiz. Wir haben hierzu­lande ein paar Unter­nehmen, die Bezug haben zur Techno­logie, aber das meiste spielt sich in den USA ab. Es macht prinzi­piell durchaus Sinn, mit einem substan­zi­ellen Teil des Portfo­lios in US-Techno­lo­gie­ak­tien investiert zu sein. Gleich­zeitig muss ich diese Aussage aber relati­vieren: Der US-Tech-Sektor hat über die vergan­genen Jahre überaus starke Perfor­mance gelie­fert, die Bewer­tungen sind hoch und die Konzen­tra­tion am Markt hat zugenommen. Daher empfehlen wir, dort ein Rebalan­cing vorzu­nehmen, also das Gewicht so zu reduzieren, dass die Ausgangs­lage wieder­her­ge­stellt wird.

 

Das Gewicht von Tech-Titeln empfehlen Sie rein aus Diver­si­fi­ka­ti­ons­gründen zu reduzieren?

Genau, wir zweifeln nicht an der künftigen Perfor­mance des Sektors oder am Gewinn­po­ten­zial, sondern die Empfeh­lung machen wir hinsicht­lich des Risiko­ma­nage­ments im Gesamt­port­folio.

 

Wo wäre denn etwa eine neutrale Gewich­tung von Tech-Titeln in einem globalen Aktien­port­folio?

In einem Weltak­ti­en­index, dem MSCI World, liegt das Gewicht technaher Titel bei etwa 40% – ein grosses Klumpen­ri­siko. Wir finden eher eine Alloka­tion von 25 bis 30% vertretbar.

Und welche Sektoren würden Sie zukaufen nach der Reduk­tion von Tech-Titeln?

Das wären dann Aktien aus dem Gesund­heits­be­reich im heimi­schen Markt. Hierzu­lande gibt es einige Unter­nehmen, die attraktiv sind und in die wir investiert sind. Der Gesund­heits­sektor ist momentan nur mit rund 10% reprä­sen­tiert im Weltak­ti­en­index, wir würden eher ein Gewicht von 15 bis 20% im Aktien­port­folio anstreben.

Können Sie ein anderes Segment des Marktes nennen, das Sie eher aufstocken würden?

Unserer Meinung nach dürften die Neben­werte, Small und Mid Caps, ein höheres Gewicht bekommen. Bei den Large Caps sind wir bei den Bewer­tungen am oberen Ende der Spanne angekommen, doch bei den Small und Mid Caps liegen die Bewer­tungen eher unter dem histo­ri­schen Schnitt und das über alle Regionen hinweg. Zudem dürfte sich das Gewinn­wachstum weiter ausbreiten und den kleineren Titeln Auftrieb geben. Das Segment profi­tiert auch überdurch­schnitt­lich von den Zinssen­kungen der Noten­banken. Diese haben ihre Wirkung noch nicht voll entfaltet.

 

Können Sie konkrete Unter­nehmen nennen, deren Aktien ihrer Meinung nach attraktiv sind?

Da stechen zwei Namen hervor, die eher klein­ka­pi­ta­li­siert sind und zudem aus dem heimi­schen Gesund­heits­sektor kommen und somit beide Anfor­de­rungen gleich­zeitig erfüllen. Das wären das Dental­un­ter­nehmen Strau­mann und der Pharma­auf­trags­fer­tiger Siegfried.

 

Schwel­len­län­der­ak­tien werden oft als aussichts­reich einge­stuft, nicht zuletzt dank der Dollar­schwäche. Ist das auch eine gute Option für Schweizer Investoren?

Wir sind in Schwel­len­län­dern investiert, auch weil dadurch eine zusätz­liche Diver­si­fi­ka­tion erreicht werden kann. Darüber hinaus sollte man auch Japan nicht vergessen, also Asien generell als attrak­tiver Markt. Im vergan­genen Jahr haben auch die Börsen in Taiwan und Südkorea eine tolle Perfor­mance einge­bracht. Trotz eines starken Börsen­jahrs 2025 in Asien ist noch viel Poten­zial vorhanden. Das Wirtschafts­wachstum ist ordent­lich und die Bewer­tungen starten von einem niedri­geren Niveau aus als in vielen Ländern des Westens. Dann hilft tatsäch­lich die Dollar­schwäche, und höhere Rohstoff­preise sind auch grund­sätz­lich gut für die Emerging Markets.

 

Wo liegt Ihrer Meinung nach ein vernünf­tiges Gewicht im Portfolio für Schwel­len­län­der­ak­tien?

Das liegt bei rund 5%.

 

Wie sieht es geogra­fisch sonst aus?

Die Schweiz macht bei uns rund ein Drittel des Portfo­lios aus. Die USA liegen ebenfalls bei etwa 30%. Der Rest verteilt sich über Europa, Japan und die Schwel­len­länder.

 

Die struk­tu­relle Aufwer­tung des Frankens ist aller­dings bei Ausland­in­ve­sti­tionen ein Risiko, da die Währungs­ent­wick­lung an der Rendite knabbert.

Für Franken­an­leger ist es tatsäch­lich schwierig, die Aufwer­tung der Heimwäh­rung kann einen Strich durch die Rechnung machen. So hat der S&P 500 im vergan­genen Jahr um über 17% zugelegt, in Franken gerechnet waren es dann nur noch knapp über 3%.

 

Wird sich die Dollar­schwäche fortsetzen?

Eine weitere Dollar­schwäche ist wahrschein­lich, aller­dings nicht in dem Ausmass wie im vergan­genen Jahr. Wir erwarten eher eine kontrol­lierte Abwer­tung des Green­backs, da er immer noch überbe­wertet ist. Wir sichern aller­dings schon seit Jahren das Währungs­ri­siko des Dollars ab, auch auf der Aktien­seite. Im vergan­genen Jahr hat das extrem geholfen und die Schwan­kungen reduziert.

 

Wie hoch ist der Anteil, den sie im US-Aktien­ex­po­sure absichern?

Strate­gisch sichern wir etwa die Hälfte ab.

 

Was ist Ihre Meinung zur künst­li­chen Intel­li­genz – Boom oder Bubble?

KI ist ein struk­tu­reller Investi­ti­ons­trend, der noch viele Jahre weiter­geht. Der Ausbau der benötigten Rechen­lei­stungs­ka­pa­zität bleibt uns als Thema erhalten. Davon werden die Unter­nehmen profi­tieren, die für den Bau und den Betrieb dieser Rechen­zen­tren zuständig sind. Und dann natür­lich die ganze Halblei­ter­indu­strie. In einer weiteren Welle sehen wir Poten­zial bei den Anwen­dern, die dann die Kosten senken und die Produk­ti­vität steigern können. Hier sind dann insbe­son­dere Unter­nehmen aus dem Bereich Software, Industrie­au­to­ma­tion, Gesund­heits­wesen und Logistik gefragt. Namen wie ABB, Kühne+Nagel, Roche, SAP und Siemens kommen einem in den Sinn.

 

Für die europäi­sche Konjunktur herrscht verhal­tener Optimismus, primär auch dank des grossen Fiskal­pa­kets in Deutsch­land. Ist das schon in den Aktien­kursen einge­preist?

Es gibt schon noch Bedenken, ob die angekün­digten Investi­ti­ons­pro­gramme auch wirklich umgesetzt werden. Daran hapert es ja oft in Europa. Zudem hat die Wettbe­werbs­fä­hig­keit europäi­scher Unter­nehmen gelitten. Doch wenn die Erholung in der Industrie Fuss fasst, dann kann das die Gewinne deutlich steigern und auch die Bewer­tungen nach oben treiben. Somit kann die Outper­for­mance von Europa, die wir im vergan­genen Jahr beobachtet haben, durchaus weiter­gehen. Zudem sind die Neben­werte auch in Europa noch günstig bewertet.

 

Was halten Sie von alter­na­tiven Anlagen?

Alter­na­tive Anlagen spielen bei uns eine immer wichti­gere Rolle in der Alloka­tion. Wir haben ihr Gewicht 2025 im Gesamt­port­folio von 12 auf 17% ausge­baut, und dieser Ausbau hat insbe­son­dere bei Privat­markt­an­lagen statt­ge­funden. Hier setzen wir auf Private Equity und Infra­struktur. So viele struk­tu­relle Trends – Energie­wende, hohe Staats­ver­schul­dung, Digita­li­sie­rung, Ausbau von Rechen­zen­tren – befeuern Infra­struk­tur­an­lagen. Auch bei Gold halten wir aufgrund der starken Rally ein Rebalan­cing auf die strate­gi­sche Quote für sinnvoll. Wir haben rund 6% des Gesamt­port­fo­lios in das Edelme­tall investiert. Krypto­wäh­rungen machen 2% des Portfo­lios aus.

Quelle: Finanz und Wirtschaft (FuW), Sylvia Walter, Inter­view mit Simon Lutz, Chief Invest­ment Officer der Tareno AG, 20.01.2026.

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