Tareno View Januar 2025

Eine rasche Ablösung der US-Dominanz ist nicht in Sicht, weshalb eine gute Portion USA weiterhin ins Portfolio gehört. Aber auch andere Regionen und Markt­seg­mente bieten attrak­tive Chancen. In jedem Fall bleiben Diver­si­fi­ka­tion und eine dynami­sche Alloka­tion angesichts der zuneh­menden Markt­kon­zen­tra­tion und der zahlrei­chen Heraus­for­de­rungen entschei­dend. Welche Positio­nie­rung Tareno für Ihre Mandate einnimmt, lesen Sie in dieser Tareno View.

Veröf­fent­licht: 13.01.2025

USA ist Trumpf

Die Märkte hangeln sich aktuell von Daten­punkt zu Daten­punkt und durch­laufen dabei ein Wechselbad der Gefühle. Nicht nur einzelne Konjunk­tur­in­di­ka­toren, bereits Aussagen von Führungs­kräften grosser Unter­nehmen können zu ausser­ge­wöhn­li­chen Schwan­kungen an den Aktien­märkten führen. Anleger sollten sich von dieser Kurzsich­tig­keit nicht verun­si­chern lassen. Den länger­fri­stigen Verlauf bestimmen weiterhin die Funda­men­tal­daten. Die Erhöhung der Liqui­di­täts­ver­sor­gung durch die global sinkenden Leitzinsen ist ein starker positiver Treiber für die Finanz­märkte, den man nicht unter­schätzen darf. In Kombi­na­tion mit der insge­samt soliden Verfas­sung der Weltwirt­schaft und den damit steigenden Unter­neh­mens­ge­winnen erhalten wir ein insge­samt robustes Bild für die Finanz­märkte.

Makro­öko­no­mi­sches Umfeld

Die Fed zwischen Stuhl und Bank

Wachs­tums­treiber Asien und USA

Die globale Wirtschafts­lei­stung ist in den vergan­genen zwei Jahren um durch­schnitt­lich 3,3 % gewachsen – ein Tempo, das sich den Prognosen zufolge auch in den kommenden Jahren fortsetzen wird. Aller­dings ist das Wachstum ungleich­mässig verteilt: Asien bleibt mit über 5% Wachstum der grösste Wachs­tums­motor, während bei den Industrie­län­dern die USA heraus­ste­chen. Die US-Wirtschaft wächst mit rund 3% weiterhin deutlich über ihrem Trend. Staat­lich geför­derte Investi­tionen in Produk­ti­ons­ka­pa­zi­täten und Innova­tionen schaffen Arbeits­plätze, steigende Unter­neh­mens­ge­winne, höhere Reallöhne und Vermö­gens­zu­wächse.

Europa und China kämpfen dagegen mit struk­tu­rellen Problemen. Chinas Immobi­li­en­über­an­gebot und staat­liche Markt­ein­griffe belasten das Wachstum. Europa leidet unter mangelnder Investi­ti­ons­tä­tig­keit und einem wenig unter­neh­mer­freund­li­chen Umfeld. Wir leiten daraus zwei zentrale Thesen ab:

  1. Die USA werden aufgrund ihrer klaren Stand­ort­vor­teile – insbe­son­dere der Grösse des Kapital­marktes, der Techno­lo­gie­füh­rer­schaft, des starken unter­neh­me­ri­schen Umfeldes und des homogenen Marktes – weiterhin stärker wachsen als die meisten anderen Industrie­länder.
  2. Dank anhal­tend hoher Wachs­tums­bei­träge aus den USA und Asien bleibt das Weltwirt­schafts­wachstum robust und die Rezes­si­ons­wahr­schein­lich­keit gering.

US-Zinssen­kungs­zy­klus zu Ende?

Die Infla­tion ist in den meisten Volks­wirt­schaften wieder in den Zielbe­reich der Zentral­banken zurück­ge­kehrt, bleibt aber struk­tu­rell höher als vor dem Infla­ti­ons­schock. Gründe dafür sind Arbeits­kräf­te­mangel, zuneh­mender Protek­tio­nismus und hohe Staats­de­fi­zite. Insbe­son­dere in den USA stagniert der Infla­ti­ons­rück­gang seit mehreren Monaten bei rund 3%. Vor diesem Hinter­grund und angesichts der poten­ziell infla­ti­ons­för­dernden politi­schen Agenda der neuen US-Regie­rung dürfte es der US-Noten­bank zuneh­mend schwerer fallen, weitere Zinssen­kungen zu recht­fer­tigen. An den kommenden Sitzungen wird sie sich entscheiden müssen, ob sie das erhöhte Infla­ti­ons­ni­veau tolerieren oder konse­quent bekämpfen möchte. Sie versucht diesen Spagat, indem sie einen Zinspfad in Aussicht stellt, der sich an den kommenden (der Realität hinter­her­hin­kenden) Arbeits­markt- und Infla­ti­ons­daten orien­tiert. Damit geht sie das Risiko ein, erneut zu spät zu reagieren und mit ihren Richtungs­wech­seln starke Markt­schwan­kungen auszu­lösen.

 

Markt­kom­mentar

US Tech – Der Neid der Welt

Zuneh­mende Markt­kon­zen­tra­tion

Die Dominanz der USA auf den globalen Aktien­märkten ist beein­druckend. Auch im Jahr 2024 übertrafen die US-Aktien­märkte die anderen Märkte deutlich. Über die letzten fünf Jahre summiert sich die Perfor­mance-Diffe­renz zum Rest der Welt auf 65%.

Haupt­treiber dieser Entwick­lung sind die US-Techno­lo­gie­werte. Hohe Kursge­winne haben das Gewicht der sieben grössten Techno­lo­gie­werte (Apple, Micro­soft, Amazon, Alphabet, Tesla, Meta und Nvidia) auf 32% des US-Aktien­marktes und 24% des Weltak­ti­en­in­dexes ansteigen lassen. Damit gehen Index­in­ve­storen und Anleger, die ihr Aktien­port­folio eng am Weltak­ti­en­index ausrichten, bewusst oder unbewusst ein zuneh­mendes Klumpen­ri­siko in den grossen US-Techno­lo­gie­ak­tien ein. Diese weisen nach der deutli­chen Bewer­tungs­expan­sion der letzten Jahre ein abneh­mendes Aufwärts- und ein zuneh­mendes Enttäu­schungs­po­ten­zial auf.

Bei einer derart hohen Portfo­lio­kon­zen­tra­tion auf wenige gleich­lau­fende Aktien mit deutlich gesun­kenem Risiko-Rendite-Verhältnis empfiehlt es sich, einen Teil der Gewinne zu reali­sieren und in andere Markt­seg­mente zu diver­si­fi­zieren.

Hierfür bieten sich US Mid Caps an, die deutlich moderater bewertet und stärker auf den Binnen­markt ausge­richtet sind und damit beson­ders von den günstigen Rahmen­be­din­gungen in den USA profi­tieren.

Um keine Missver­ständ­nisse aufkommen zu lassen: US-Techno­lo­gie­werte bleiben aufgrund ihrer Profi­ta­bi­lität und ihres langfri­stigen Wachs­tums ein zentraler Portfo­lio­bau­stein. Ob es aber gleich ein Viertel des Portfo­lios sein muss, stellen wir aus Rendite-Risiko-Überle­gungen klar in Frage.

Positive Vorzei­chen für 2025, aber…

Angesichts steigender Unter­neh­mens­ge­winne, sinkenden Zinsen und moderaten Bewer­tungen ausser­halb der USA sehen wir gute Chancen für weiterhin attrak­tive Aktien­ren­diten, insbe­son­dere wenn die europäi­sche Industrie ihre zweijäh­rige Schrump­fungs­phase überwindet. Diesen positiven Ausblick trüben jedoch einige Unsicher­heiten. Eine protek­tio­ni­sti­sche US-Politik unter Präsi­dent Trump, zuneh­mende Sorgen um die Staats­ver­schul­dung oder geopo­li­ti­sche Eskala­tionen könnten zu Belastungs­fak­toren für die Börsen werden.

Anlage­po­litik

Rendi­te­quellen aufspüren

Anlege­rinnen und Anleger können auf ein weiteres erfolg­rei­ches Jahr zurück­blicken: Aktien und Obliga­tionen erzielten das zweite Jahr in Folge überdurch­schnitt­liche Renditen. Beson­ders stark zulegen konnten Gold und Bitcoin, welche einen spürbaren Rendi­te­bei­trag in unseren Portfo­lios leisteten.

Hohe Renditen in der Vergan­gen­heit haben aber auch einen unange­nehmen Neben­ef­fekt: Sie schmä­lern die Rendi­te­er­war­tungen für die Zukunft. Nach zwei sehr ertrag­rei­chen Jahren wird es in den kommenden Jahren schwierig sein, die überdurch­schnitt­li­chen Renditen der letzten Jahre zu wieder­holen. Dennoch sehen wir in verschie­denen Anlage­klassen und Markt­seg­menten weiterhin erheb­li­ches Rendi­te­po­ten­zial. Deshalb gewinnt eine aktive und diszi­pli­nierte Portfo­lio­kon­struk­tion an Bedeu­tung. Folgende Bausteine sind aus unserer Sicht beson­ders attraktiv:

Schweizer Qualität

Schweizer Aktien sind im histo­ri­schen Vergleich und relativ zu anderen Anlage­klassen attraktiv bewertet. Die Dividen­den­ren­dite liegt mit 3.1% deutlich über der Obliga­tio­nen­ren­dite von 0.7%. Grosses Poten­zial sehen wir bei defen­siven Schwer­ge­wichten, Infra­struk­tur­un­ter­nehmen und wachs­tums­starken Mid Caps.

Profi­table Wachs­tums­märkte

Die beein­druckende Kursent­wick­lung der grossen US-Techno­lo­gie­werte verdeut­licht das Poten­zial von Unter­nehmen, die von struk­tu­rellem Wachstum profi­tieren und in Märkten mit hohen Eintritts­bar­rieren tätig sind. Diese Eigen­schaften sehen wir beson­ders ausge­prägt bei Unter­nehmen aus den Berei­chen Cyber­si­cher­heit, Künst­liche Intel­li­genz sowie Wasser- und Energie­infra­struktur.

Privat­markt­an­lagen

Private Equity, Private Debt, Infra­struktur und Immobi­lien bieten attrak­tive Renditen und Diver­si­fi­ka­ti­ons­mög­lich­keiten. Die wachsende Zahl von Evergreen-Fonds erleich­tert Privat­an­le­gern den Zugang.

Portfo­lio­schutz mit Poten­zial

Gold und Bitcoin bleiben trotz starker Kursan­stiege attraktiv. Angesichts der geopo­li­ti­schen Spannungen und der Infla­ti­ons­ri­siken rechnen wir mit einem weiteren Anstieg der Nachfrage und der Preise.

Autor

Simon Lutz
Simon Lutz
Chief Investment Officer

Impressum

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Verant­wort­lich

Simon Lutz
Chief Invest­ment Officer
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Bilder: Marijke Vosmeer, IStock, Pixabay, Unsplash

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