Tareno View Januar 2026

Die Weltwirt­schaft hat sich auch 2025 als bemer­kens­wert wider­stands­fähig erwiesen. Allen Unken­rufen zum Trotz wächst die globale Ökonomie stabil, getrieben von einem kraft­vollen Dreiklang aus expan­siver Fiskal­po­litik, locke­rerer Geldpo­litik und techno­lo­gi­schem Fortschritt.

Veröf­fent­licht: 13.01.2026

Wachstum bleibt, Favoriten rotieren

Die Weltwirt­schaft hat sich auch 2025 als bemer­kens­wert wider­stands­fähig erwiesen. Allen Unken­rufen zum Trotz wächst die globale Ökonomie stabil, getrieben von einem kraft­vollen Dreiklang aus expan­siver Fiskal­po­litik, locke­rerer Geldpo­litik und techno­lo­gi­schem Fortschritt. Für Anleger war dies ein Segen: Aktien­märkte und gemischte Mandate lieferten erneut erfreu­liche Renditen. Doch Erfolg in der Vergan­gen­heit ist kein Garant für die Zukunft. Während die Konjunktur an Fahrt gewinnt und sich das Wachstum verbrei­tert, verla­gern sich die Chancen weg von den gefei­erten Gewin­nern der letzten Jahre hin zu vernach­läs­sigten Segmenten. In dieser Ausgabe beleuchten wir, weshalb 2026 aktive Selek­tion entschei­dend ist und wie sich das Portfolio für unter­schied­liche Szena­rien robust und rendi­te­stark aufstellen lässt.

 

Makro­öko­no­mi­sches Umfeld: Treib­stoff für die Weltwirt­schaft

Die geopo­li­ti­schen und wirtschafts­po­li­ti­schen Verschie­bungen, die 2025 von den USA ausgingen, hielten die Welt zwar in Atem, hinter­liessen in der harten Währung des globalen Wachs­tums jedoch kaum Brems­spuren. Infla­ti­ons­be­rei­nigt legte die Weltwirt­schaft wie in den Vorjahren um solide 3% zu. Für das angebro­chene Jahr stehen die Zeichen nicht nur auf Fortset­zung, sondern auf Beschleu­ni­gung. Drei mächtige Kräfte wirken hierbei im Einklang:

Expan­sive Fiskal­po­litik als Dauer­zu­stand

Die staat­li­chen Ausgaben bleiben global auf ausser­or­dent­lich hohem Niveau. In den USA sorgen Steuer­erleich­te­rungen und Industrie­po­litik für ein Defizit von rund 8%. Flankie­rend sollen Deregu­lie­rung und ein schlan­kerer Staats­ap­parat private Investi­tionen mobili­sieren und Produk­ti­vität freisetzen. Europa folgt mit zeitli­cher Verzö­ge­rung, aber zuneh­mender Entschlos­sen­heit. Insbe­son­dere das deutsche Investi­ti­ons­pro­gramm entfaltet nun Wirkung und setzt Impulse in Rüstung, Energie und Infra­struktur. China komplet­tiert das Bild als dritter Gross­ak­teur. Mit einem Defizit ebenfalls nahe 8% stabi­li­siert Peking die Binnen­kon­junktur und wirkt defla­tio­nären Tendenzen entgegen. Zusam­men­ge­nommen bilden diese fiska­li­schen Kräfte ein robustes Funda­ment für ein anhal­tendes globales Wachstum von rund 3%.

Geldpo­litik unter fiska­li­schem Druck

Angesichts dieser fiska­li­schen Gross­wet­ter­lage wäre klassisch eine restrik­tive Geldpo­litik angezeigt, um Überhit­zung zu vermeiden. Doch die Realität der hohen Schul­den­berge diktiert eine andere Logik: Die Noten­banken stehen unter Druck, die Finan­zie­rungs­ko­sten tief zu halten. Auch wenn der Gross­teil der Zinssen­kungen hinter uns liegen mag, zeigt der Kompass der meisten Zentral­banken weiterhin Richtung Locke­rung. Nebst Zinssen­kungen hat die US-Noten­bank jüngst von Liqui­di­täts­entzug auf ‑zufuhr umgestellt. Die Geldpo­litik wird damit erneut zum Verbün­deten von Wachstum und Kapital­märkten.

Techno­logie als Produk­ti­vi­täts­turbo

Rund ein Drittel des US-Wachs­tums im vergan­genen Jahr ist direkt auf Investi­tionen in die KI-Infra­struktur zurück­zu­führen. Für 2026 stehen nochmals höhere Budgets bereit, und Branchen­ex­perten progno­sti­zieren eine Verviel­fa­chung der Rechen­ka­pa­zi­täten in den kommenden Jahren. Entschei­dend ist jedoch, wann sich diese Investi­tionen auszahlen. Wir beobachten, dass Unter­nehmen in immer mehr Branchen KI erfolg­reich integrieren. Beson­ders in Software­ent­wick­lung, Industrie­au­to­ma­tion und Biotech­no­logie sind Produk­ti­vi­täts­ge­winne bereits messbar. 2026 dürfte das Jahr werden, in dem sich diese Effekte erstmals breit in den Unter­neh­mens­ge­winnen und in der gesamt­wirt­schaft­li­chen Produk­ti­vität wider­spie­geln.

Markt­kom­mentar: Die Renais­sance der Markt­breite

Das Jahr 2025 bescherte dem Weltak­ti­en­index das dritte Jahr in Folge zweistel­lige Zuwächse. Erfreu­li­cher­weise konnten auch gemischte Mandate überdurch­schnitt­lich profi­tieren. Bemer­kens­wert war dabei die relative Stärke Europas gegen­über den USA, verstärkt durch die Abwer­tung des US-Dollars.

Nach drei starken Jahren stellt sich die Frage nach der Haltbar­keit dieses Trends. Ein Blick auf die beiden Motoren der Aktien­märkte, Gewinn­wachstum und Bewer­tung, stimmt uns zuver­sicht­lich, mahnt aber gleich­zeitig zu einer diffe­ren­zierten Betrach­tung.

Gewinn­wachstum: Von wenigen zu vielen

Das günstige makro­öko­no­mi­sche Umfeld bildet den Nährboden für solides Gewinn­wachstum. Der entschei­dende Unter­schied zu den Vorjahren liegt in der Vertei­lung: Waren zuletzt fast ausschliess­lich Techno­lo­gie­gi­ganten für die Gewinn­stei­ge­rungen verant­wort­lich, erwarten wir nun eine deutliche Verbrei­te­rung. Zykli­sche Sektoren profi­tieren von Investi­ti­ons­pro­grammen, stabi­leren Liefer­ketten und tieferen Zinsen. Sinnbild­lich expan­diert die Industrie­pro­duk­tion nach zwei Jahren der Schrump­fung wieder in den USA und der EU.

Bewer­tungen: Trüge­ri­scher Index­blick

Der Blick auf die grossen Indizes zeigt histo­risch hohe Bewer­tungen, die zur Vorsicht mahnen. Histo­risch führten solche Niveaus über längere Zeiträume zu unter­durch­schnitt­li­chen Renditen. Diese Sicht greift jedoch zu kurz. Abseits der grossen Indizes finden sich zahlreiche Markt­seg­mente mit moderaten bis attrak­tiven Bewer­tungen. Für aktive Anleger eröffnet dies die Möglich­keit, mit einem breit diver­si­fi­zierten Aktien­port­folio in den kommenden Jahren bessere Renditen als rein index­ori­en­tierte Strate­gien zu errei­chen. Beson­ders attraktiv erscheinen uns zwei Bereiche:

Erstens defen­sive Sektoren wie Gesund­heit und Basis­konsum. Hier klafft eine grosse Bewer­tungs­lücke zu den zykli­schen Sektoren und Techno­logie. Insbe­son­dere die Medizi­nal­technik bietet struk­tu­relles Wachstum zu attrak­tiven Bewer­tungen.

Zweitens bieten Neben­werte (Small & Mid Caps) einen deutli­chen Bewer­tungs­ab­schlag gegen­über den Large Caps. Die Kombi­na­tion aus Industrie­er­ho­lung und tieferen Leitzinsen begün­stigt diese kleineren Unter­nehmen überpro­por­tional. Dies spiegelt sich beispiel­haft in unserem Wasser­fonds wider, dessen Bewer­tung sich über das vergan­gene Jahr auf attrak­tive Niveaus verrin­gert hat.

 

Anlage­po­litik: Flexi­bi­lität als Konstante

Die wieder­holten, teils abrupten Verän­de­rungen des Anlage­um­felds in den vergan­genen Jahren haben gezeigt, dass eine voraus­schau­ende und flexible Alloka­tion echten Mehrwert schaffen kann. Wir sehen dabei drei Tugenden als zentral für eine erfolg­reiche Umset­zung:

Diszi­plin statt Gier

Märkte neigen kurzfri­stig zu Übertrei­bungen, beson­ders wenn tempo­räre Gewinn­ent­wick­lungen linear in die Ewigkeit proji­ziert werden. Wir erinnern uns an die Euphorie um Impfstoff-Aktien oder Home-Office-Profi­teure. Nach starken Kursge­winnen und Anzei­chen von Überhit­zung ist es ratsam, Gewinne mitzu­nehmen und Kapital in struk­tu­rell intakte, aber unter­be­wer­tete Segmente umzuschichten. Aktuell halten wir Gewinn­mit­nahmen im Techno­logie- und Finanz­sektor für angebracht. Gleich­zeitig sehen wir attrak­tives Rendi­te­po­ten­zial bei Quali­täts­ak­tien ausser­halb der Markt­lieb­linge, in defen­siven Sektoren und bei Neben­werten.

Echte, aktive Diver­si­fi­ka­tion

Index­fonds vermit­teln oft eine trüge­ri­sche Diver­si­fi­ka­tion. Tatsäch­lich gehen Anleger erheb­liche Klumpen­ri­siken ein. Echte Diver­si­fi­ka­tion erfor­dert eine laufende Überprü­fung und Anpas­sung der Alloka­tion. Die Beimi­schung neuer Anlage­klassen wie Privat­markt­an­lagen und Krypto­wäh­rungen erhöht die Robust­heit und das Rendi­te­po­ten­zial von Portfo­lios. Auf Aktien­e­bene empfehlen wir index­nahen Anlegern, die starke Gewich­tung von USA und Techno­logie zu reduzieren und gezielt in unter­re­prä­sen­tierte Sektoren und Regionen umzuschichten, etwa in den Gesund­heits­sektor und in Schwel­len­länder.

Risiken ernst nehmen, Vermögen schützen

Prognosen sind natur­ge­mäss mit Unsicher­heit behaftet. Neben unserem positiven Basis­sze­nario müssen wir uns auf alter­na­tive Ausgänge vorbe­reiten. Das grösste Risiko sehen wir in einer Rückkehr der Infla­tion, der die Geldpo­litik angesichts der immensen Staats­schulden nur noch einge­schränkt entge­gen­wirken kann. Die Gefahr einer schlei­chenden Geldent­wer­tung ist real. Mit Blick auf den Vermö­gens­er­halt empfehlen wir eine klare Ausrich­tung auf Sachwerte (Aktien, Immobi­lien und Rohstoffe) sowie den bewussten Einbezug alter­na­tiver Anlagen. Sie erhöhen die Wider­stands­fä­hig­keit des Portfo­lios über verschie­dene Szena­rien hinweg und bilden einen zentralen Rendi­te­bau­stein unserer Portfo­lios.

 

Autor

Simon Lutz
Simon Lutz
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