Globale Regulierung und starke Unternehmenszahlen
Regulatorische Strömungen: Regierungen setzen den Kurs
Globale Wasserthemen dominierten die Diskussionen im August. Auf der World Water Week 2025 (Stockholm, 24.–28. August) betonten Experten aus Politik, Versorgungsunternehmen und Finanzwesen die enge Verknüpfung von Wasser und Klima sowie die Finanzierung des UN-Nachhaltigkeitsziels SDG6 (sauberes Wasser und Sanitäreinrichtungen). In Europa zeichnen sich neue Forschungsförderungen und politische Schwerpunkte ab: So unterstützte das EU-LIFE-Programm mehrere Pilotprojekte zur Sanierung von PFAS- und Mikroschadstoff-belasteten Wasserversorgungen. Parallel fordern EurEau und Water Europe (zwei Organisationen, die nachhaltiges Wassermanagement und Innovation in Europa fördern) weiterhin eine‚ Water Resilience‘-Strategie angesichts zunehmender Dürren und folgen damit dem Aufruf von Kommissarin Roswall zu einer integrierten Wasser- und Klimapolitik. Zudem veröffentlichte die EU neue Fördermittel für Innovationen im Bereich Wiederverwendung und Sensortechnologie zur Unterstützung der geplanten Wasser-Resilienz-Strategie.
In den USA spiegelten die Massnahmen der Umweltschutzbehörde EPA die wachsende Besorgnis über Schadstoffe wider. Die EPA kündigte Pläne an, die Fristen für die Einhaltung der PFOA/PFOS-Trinkwasserverordnungen zu verlängern und die „PFAS OUT”-Kampagne auf kleinere Versorger auszuweiten. Zudem sprach die Behörde rund 1 Mrd. USD an Zuschüssen für die PFAS-Reduzierung und lancierte neue Cybersicherheitsrichtlinien für Wasserversorger. Weitere Themen, die im Fokus standen: Die „grenzüberschreitende Abwasserkrise” zwischen den USA und Mexiko führte zu einem bilateralen Abkommen über den Bau einer Kläranlage in der Nähe von Tijuana.
Hinzu kamen wichtige regulatorische Signale aus globalen Netzwerken. UN-Water setzt sich weiterhin für die Rolle von Wasser im Klimaschutz ein, und internationale Gremien (World Water Council, WaterAid) betonten den Investitionsbedarf zur Erreichung des SDG6.
Unternehmensergebnisse im Fokus
Jüngste Berichte zeigen eine allgemein gesunde Nachfrage im Wassersektor:
- Watts Water (Sanitärsysteme) erzielte im zweiten Quartal einen Rekordumsatz von 644 Mio. USD (+8% im Jahresvergleich), wobei das Betriebsergebnis um 21% und der Gewinn pro Aktie um 23% stiegen. Das Management hob die Prognose für das Gesamtjahr an und verwies dabei auf Preiserhöhungen und einen starken Auftragseingang in den USA, der teilweise durch eine schwache Entwicklung in Europa ausgeglichen wurde. Das Unternehmen schloss ausserdem im Juni die Übernahme von EasyWater (Wasserfiltersysteme) ab und stärkte damit sein Portfolio im Bereich Wasseraufbereitung.
- Stantec (Ingenieur-/Umweltdienstleistungen) erzielte einen Umsatz von 1.6 Mrd. CAD (+6.9% im Jahresvergleich), angetrieben durch ein solides Wachstum in allen Regionen. Insbesondere das Wassergeschäft wuchs organisch um 12.4% und übertraf damit andere Geschäftsbereiche. Der CEO von Stantec verwies auf eine diversifizierte Nachfrage (Wasser, Energie/Infrastruktur) und hob die Prognose für 2025 ebenfalls an.
- Advanced Drainage Systems (ADS) (Regenwasser-/Entwässerungslösungen) erzielte gemischte Ergebnisse: Der Gesamtumsatz ging leicht zurück, aber das Segment Infiltrator (dezentrale Abwasserbehandlung) legte im Jahresvergleich um +10.6% zu, was die starke Nachfrage nach modularen Lösungen. Die bereinigte EBITDA-Marge von ADS blieb mit 31.4% stabil. Das Management bestätigte vor dem Hintergrund anhaltender Infrastrukturausgaben die Prognose für 2025.
- York Water (Versorgungsunternehmen) verzeichnete ein moderates Wachstum. Im ersten Halbjahr stieg der Umsatz, die Gewinne gingen jedoch aufgrund höherer Betriebs- und Wartungskosten zurück. York plant für 2025 Investitionen in Höhe von 23.8 Mio. USD in die Wasserinfrastruktur (Pipelines, neue Aufbereitungsanlagen).
- Mueller Water (Hersteller von Armaturen/Zählern) hob die Umsatzprognose für 2025 an und verwies dabei auf eine gesunde Preisgestaltung und die Senkung der Kosten in der Lieferkette.
In Europa waren die Ergebnisse stabil:
- Der Umsatz von Wienerberger (Ziegel- und Entwässerungshersteller) stieg um 6% auf 2.3 Mio. EUR, während das EBITDA leicht zurückging. Die Prognose für das Gesamtjahr wurde beibehalten (EBITDA von 800 Mio. EUR).
- Die GEA Group (deutsche Prozess-/Filtrationstechnologie) verzeichnete im zweiten Quartal einen Auftragsanstieg von 1.5% und ein organisches Umsatzwachstum von 1.5% bei einem EBITDA von +8% (217 Mio. EUR, Marge 16.5%), was zu einer Anhebung der Prognose für das Gesamtjahr führte.
- Geberit (Sanitärsysteme) meldete für das erste Halbjahr einen Umsatz von 1.67 Mrd. CHF (+1.7%). Die EBIT-Margen blieben abgesehen von einer einmaligen Belastung durch die Schliessung eines Werks stabil. Das Management bekräftigte seine Prognose für 2025 mit einem Umsatzwachstum von 4% und einer EBITDA-Marge von 29%.
Die Ergebnisse japanischer Industrieunternehmen fielen gemischter aus:
- Kuraray (Aktivkohle) verzeichnete aufgrund von Währungs-Effekten und einer rückläufigen Nachfrage einen schwächer als erwarteten Umsatz und Gewinn.
- Toray verfehlte die Erwartungen aufgrund von einmaligen Faktoren (verspätete Lieferungen). Die Aktie fiel um fast 10%, was wir als Überreaktion betrachteten und zum Ausbau unserer Position nutzten.
- Ebara (Pumpen/Wasseraufbereitungsanlagen) widersetzte sich dem Trend mit Rekordaufträgen und -umsätzen, angetrieben durch seinen Geschäftsbereich Environmental Solutions.
In Brasilien meldete Sabesp (Wasserversorger in São Paulo) solide Zahlen aufgrund von Tariferhöhungen, höheren Absatzmengen und Kostensenkungen. Innerhalb von drei Monaten schloss der Versorger 161.000 neue Wasser-/Abwasseranschlüsse an, was die rasche Netzerweiterung unterstreicht.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Unternehmen überwiegend eine solide Nachfrage und eine disziplinierte Kostenkontrolle vermeldeten, insbesondere auf den US-Märkten. Dort, wo Europa hinterherhinkte (z.B. Watts Europe, Geberit), verwiesen die Unternehmen auf die aufkommenden privaten und öffentlichen Infrastrukturausgaben als Ausgleich. Es gab keine offensichtlichen Schwachpunkte in den Aussichten. Die meisten sind sich einig, dass weiterhin in die Wasserinfrastruktur investiert wird, wenn auch mit Vorsicht angesichts der steigenden Inputkosten und der geopolitischen Unsicherheit.
Klima und ESG
Umwelt-, Sozial- und Governance-Themen blieben ein zentrales Thema. Im sozialen Bereich rückten hochkarätige philanthropische Kampagnen weiterhin den Zugang zu Wasser in den Fokus: Die YouTuber MrBeast und Mark Rober unterstützten die #TeamWater-Kampagne von WaterAid, deren Ziel es ist, bis zum Monatsende 40 Mio. USD zu sammeln, um 2 Mio. Menschen in Not mit sauberem Wasser zu versorgen.
Die Bedeutung von Governance und behördlicher Kontrolle wurde durch den Fall Thames Water in Grossbritannien (Prüfung einer Sonderverwaltung) unterstrichen, was das Interesse der Anleger an der finanziellen Gesundheit und den Nachhaltigkeitspraktiken von Versorgungsunternehmen verstärkte. Unterdessen setzten Unternehmen Projekte fort, die mit den ESG-Zielen im Einklang stehen. So erweitert ADS beispielsweise das Kunststoffrecycling mit einer neuen Anlage in Georgia, während Suzano, der weltweit grösste Papierhersteller, in Zusammenarbeit mit Veolia eine fortschrittliche Wasseraufbereitung in seiner neuen Zellstofffabrik in Brasilien eingeführt hat, um die Effizienz, Nachhaltigkeit und Umweltverantwortung zu verbessern. Unterdessen berichtete Sabesp, dass seine Investitionen und Privatisierungsbemühungen 1,3 Millionen Menschen zusätzlich mit Wasser und 1,4 Millionen Menschen mit Abwasserentsorgung versorgt haben.
In diesem Zusammenhang sollten Anleger sowohl das Wachstumspotenzial „grüner” Wassertechnologien (PFAS-Sanierung, Wiederverwendung, Kreislaufwasser) als auch die politischen Risiken (strenge neue Standards, wie z.B. die PFAS-Verordnung oder die britische Versorgungsvorschriften) beachten, die die Unternehmensstrategien beeinflussen.
Flexibel bleiben
Geopolitische Unsicherheiten, Gerüchte um die Zentralbanken, etwaige Zinssenkungen und Zollkonflikte sorgen weiterhin für Unruhe an den Märkten, daher bleiben wir diszipliniert und selektiv. Der September kann für die Aktienmärkte ein schwieriger Monat sein. Daher halten wir uns etwas Pulver trocken, um von Chancen zu profitieren, die sich aus Ängsten ergeben könnten. Unser Fokus bleibt auf den Fundamentaldaten, getreu unserem Mantra: Im Wassersektor müssen wir langfristig denken, aber zyklisch handeln.
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Verantwortlich
Stefan Schütz
Fund Manager
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Bilder: Jürg Kaufmann, Lucia Hunziker, Marijke Vosmeer