KI treibt die Wasser­nach­frage

Der steigende Wasser­be­darf von Rechen­zen­tren, eine hohe Investi­ti­ons­dy­namik und robuste Unter­neh­mens­zahlen unter­strei­chen die struk­tu­rellen Chancen im Wasser­sektor. Gleich­zeitig zeigt sich, dass der Investi­ti­ons­be­darf in die Wasser­in­fra­struktur langfri­stig hoch bleibt.

Der Juli begann mit vorsich­tigem Optimismus, doch das Markt­um­feld wurde rasch anspruchs­voller. Die erneute Eskala­tion im Nahen Osten liess die Energie­preise und die langfri­stigen Anlei­he­ren­diten steigen. Gleich­zeitig gerieten hoch bewer­tete US-Techno­lo­gie­ak­tien unter Druck. Gewinn­mit­nahmen und wachsende Zweifel an der Finan­zie­rung des KI-Booms belasteten insbe­son­dere den Nasdaq. Europa hielt sich besser. Eine solide Berichts­saison stützte die Märkte und begün­stigte eine Rotation in defen­si­vere Titel, Substanz­werte sowie kleinere und mittel­grosse Unter­nehmen. Insge­samt war der Juli weniger von breiten Kursge­winnen als von einer stärkeren Diffe­ren­zie­rung zwischen den Unter­nehmen geprägt.

Wasser im Fokus

Im Wasser­sektor rückte im Juli vor allem der hohe Wasser­be­darf der künst­li­chen Intel­li­genz in den Fokus. Grosse Rechen­zen­tren benötigen beträcht­liche Mengen Wasser für ihre Kühlsy­steme. Angesichts des zuneh­menden öffent­li­chen Drucks legen ihre Betreiber inzwi­schen offener dar, wie hoch der Verbrauch ist und wie sie mit der Ressource umgehen. In Virginia baut ein Versorger beispiels­weise ein weitrei­chendes Netz für aufbe­rei­tetes Wasser auf, um das grosse Rechen­zen­trums-Cluster der Region zu versorgen. Das Vorhaben wurde bereits als eine Art «Silicon Valley des Wassers» bezeichnet. Für Anbieter von Kühl‑, Mess‑, Überwa­chungs- und Wieder­ver­wen­dungs­tech­no­lo­gien eröffnet diese Entwick­lung eine langfri­stig wachsende Nachfrage.

Das zweite grosse Thema war der Gegen­satz zwischen reich­lich vorhan­denem Kapital und weiterhin unzurei­chenden Investi­tionen in die Infra­struktur. Global Water Intel­li­gence verzeich­nete im ersten Halbjahr Eigen­ka­pi­tal­zu­sagen von 687 Millionen US-Dollar für Wasser­tech­no­logie – ein neuer Rekord. Gleich­zeitig meldete Bluefield Research die höchste Übernah­me­ak­ti­vität im Sektor seit 2021. Im ersten Halbjahr wurden 161 Trans­ak­tionen gezählt; allein im zweiten Quartal lag die Aktivität 42% über dem Vorjahr. Dieses Kapital fliesst jedoch vor allem in Techno­lo­gie­un­ter­nehmen und Übernahmen und damit nicht automa­tisch in öffent­liche Leitungs­netze und Anlagen. EurEau weist weiterhin auf einen wachsenden Investi­ti­ons­stau in Europa hin, da die Ausgaben für Wasser­in­fra­struktur hinter der Infla­tion zurück­bleiben. In den USA warnt Bluefield zudem vor dem Auslaufen befri­steter Förder­pro­gramme. Bundes­staaten und Gemeinden tragen bereits rund 96% der Ausgaben für die Wasser­in­fra­struktur. Kapital ist im Wasser­sektor also vorhanden – die struk­tu­relle Finan­zie­rungs­lücke bleibt dennoch bestehen.

Unternehmens­nachrichten

Pentair sorgte für die grösste Enttäu­schung des Monats. Im Pool-Geschäft bauten Händler ihre Lager überra­schend stark ab. Dadurch sank der Umsatz dieses Bereichs im zweiten Quartal um 42%, während der Konzern­um­satz um 17% auf 933 Millionen US-Dollar zurück­ging. Das Manage­ment senkte daraufhin die Jahres­pro­gnose. Der abrupte Einbruch warf Fragen auf, wie gut Pentair die Entwick­lung in seinen Vertriebs­ka­nälen einschätzen kann. Das Gesamt­bild blieb jedoch gemischt. Die Division «Flow & Water Solutions» erzielte Rekord­margen. Zudem kündigte Pentair die Übernahme der Taco Group für 1,425 Milli­arden US-Dollar an und stärkt damit das Geschäft mit kommer­zi­ellen Wasser­lö­sungen. Auch die Dividende wurde zum 50. Mal in Folge erhöht. Nach dem Kursrück­gang von fast 20% stockten wir unsere Position auf.

Bei den meisten anderen Unter­nehmen fielen die Ergeb­nisse robuster aus. Veolia erhöhte den Jahres­aus­blick, nachdem der Netto­ge­winn im ersten Halbjahr um 10% gestiegen war. Dazu trugen Effizi­enz­stei­ge­rungen und der Abschluss der 3 Milli­arden US-Dollar schweren Übernahme von Clean Earth bei. Xylem meldete 42% mehr Auftrags­ein­gänge, darunter den grössten Vertrag der Unter­neh­mens­ge­schichte. Weil sich die Nachfrage aus dem Rechen­zen­trums­be­reich mehr als verdrei­fachte, hob das Unter­nehmen auch seine Gewinn­pro­gnose an. Mit der Übernahme des Sensor­spe­zia­li­sten TriOS setzt Xylem zugleich den Ausbau von Software und digitaler Messtechnik fort. Tetra Tech erhöhte ebenfalls den Ausblick. Das inter­na­tio­nale Wasser­ge­schäft wuchs um 12%, und das Unter­nehmen wurde als leitender Planer für die grösste kommu­nale PFAS-Aufbe­rei­tungs­an­lage der USA ausge­wählt.

Auch Itron überzeugte. Rekord­hohe Brutto­margen und eine höhere Jahres­pro­gnose zeigten, dass das Geschäft mit Messtechnik und Netzsoft­ware zuneh­mend profi­tabel wird. Die Aktie reagierte entspre­chend positiv. Andritz meldete einen Rekord­auf­trags­be­stand von 12,6 Milli­arden Euro. Beson­ders stark entwickelte sich das Wasser­kraft­ge­schäft, dessen Bestel­lungen im ersten Halbjahr um 82% zunahmen. Georg Fischer profi­tierte ebenfalls von der hohen Nachfrage aus der Halbleiter- und Rechen­zen­trums­in­du­strie und setzte gleich­zeitig den Verkauf nicht strate­gi­scher Gussak­ti­vi­täten fort. Sika erhöhte die Jahres­pro­gnose, da Effizi­enz­mass­nahmen die weiterhin verhal­tene Nachfrage in der Bauin­du­strie ausglei­chen konnten.

Arcadis lehnte einen Übernah­me­ver­such des Konkur­renten WSP ab. Nach Ansicht des Manage­ments spiegelte das Angebot weder den Wert des Unter­neh­mens noch dessen Perspek­tiven angemessen wider. Die opera­tive Entwick­lung stützte diese Haltung: Eine starke Nachfrage nach Projekten in den Berei­chen Wasser, Infra­struktur und Strom­netze führte zu einem Rekord beim Auftrags­ein­gang.

Schwä­chere Ergeb­nisse zeigten sich vor allem in bereits bekannten Problem­be­rei­chen. Wiener­berger senkte seine Jahres­pro­gnose, nachdem die schwache Wohnbau­tä­tig­keit in den USA, Gross­bri­tan­nien und Kanada das Ergebnis im zweiten Quartal um rund 30 Millionen Euro belastet hatte. Die Bereiche Infra­struktur und Renova­tion, die inzwi­schen mehr als 60% des Umsatzes ausma­chen, blieben dagegen stabil. Bei A. O. Smith zeigte sich ein ähnli­ches Bild. Der Umsatz in China sank um 28%, während das nordame­ri­ka­ni­sche Geschäft mit Heizkes­seln weiterhin kräftig wuchs.

Auch Entwick­lungen ausser­halb unseres Portfo­lios waren aufschluss­reich. Badger Meter baute seine Position in der digitalen Überwa­chung von Abwas­ser­netzen weiter aus. Das Unter­nehmen übernahm Smart­Cover für 185 Millionen US-Dollar und das briti­sche Unter­nehmen UDlive für 100 Millionen US-Dollar. Scottish Water vergab unter­dessen Verträge für digitale Dienst­lei­stungen im Umfang von bis zu 230 Millionen Pfund an Accen­ture und BT. Beide Beispiele zeigen, wie sich die Branche von einzelnen Geräten hin zu vernetzten Systemen, Daten­ana­lyse und intel­li­genter Netzsteue­rung entwickelt.

Insge­samt blieb die Nachfrage in den Berei­chen kommu­nale Wasser­ver­sor­gung, Infra­struktur und digitale Lösungen robust. Schwä­cher entwickelten sich dagegen der Wohnbau, einzelne konsum­ab­hän­gige Bereiche und Unter­nehmen mit einer hohen Abhän­gig­keit vom chine­si­schen Markt.

Fonds­per­for­mance

Vor diesem Hinter­grund erzielte der Tareno Global Water Solutions Fund im Juli eine Rendite von ‑0,74% in der Tranche W‑EUR. Inner­halb des Wasser­sek­tors kam es zu einer deutli­chen Rotation. Mehrere Unter­nehmen, die im ersten Halbjahr zurück­ge­blieben waren, erholten sich kräftig. Beson­ders gefragt waren Ingenieur- und Beratungs­un­ter­nehmen. Arcadis und Tetra Tech leisteten einen positiven Beitrag, ebenso Georg Fischer, Andritz und Mueller Industries.

Auf der anderen Seite gaben einige der bishe­rigen Jahres­ge­winner einen Teil ihrer Kursge­winne ab. Vor allem bei Unter­nehmen mit einem starken Bezug zum Ausbau von Rechen­zen­tren kühlte sich die zuvor hohe Erwar­tungs­hal­tung etwas ab. Dies belastete Gorman-Rupp, Watts Water und Advanced Drainage Systems. Auch regional verschoben sich die Kräfte: Europa stützte die Entwick­lung, während Nordame­rika und Japan belasteten. Die breite Aufstel­lung des Portfo­lios über Versorger, Industrie­un­ter­nehmen, Ingenieur­dienst­lei­ster und baunahe Geschäfts­mo­delle half dabei, diese unter­schied­li­chen Entwick­lungen auszu­glei­chen.

Positio­nie­rung und Ausblick

Die Berichts­saison ist weiterhin in vollem Gange und dürfte auch in den kommenden Wochen für grössere Kursbe­we­gungen sorgen. Wir rechnen deshalb mit einer anhal­tend erhöhten Volati­lität, sehen darin aber auch Chancen. Neben den geopo­li­ti­schen Risiken beobachten wir insbe­son­dere den jüngsten Anstieg der Zinsen. Er könnte zu einem wichti­geren Belastungs­faktor für die Märkte werden. An unserem Ansatz ändert sich nichts: Wir setzen auf eine breite Diver­si­fi­ka­tion und eine sorgfäl­tige Analyse der Funda­men­tal­daten. Gleich­zeitig halten wir derzeit eine leicht erhöhte Liqui­di­täts­quote von rund 5%, um flexibel auf neue Gelegen­heiten reagieren zu können.

Zum Abschluss zeigt ein Blick auf die Schweiz, weshalb das Thema Wasser auch in vermeint­lich wasser­rei­chen Regionen an Bedeu­tung gewinnt. In diesem Sommer gilt landes­weit die höchste Trocken­heits­stufe. Ende Juli lagen die Speicher­füll­stände bei rund 51% und damit deutlich unter dem langjäh­rigen Durch­schnitt von 68%. Zahlreiche Gemeinden führten Wasser­be­schrän­kungen ein. Das macht deutlich: Sauberes Wasser ist weder selbst­ver­ständ­lich noch überall ausrei­chend verfügbar. Unter­nehmen, die zum Schutz, zur Aufbe­rei­tung und zur effizi­en­teren Nutzung dieser Ressource beitragen, adres­sieren deshalb eine der zentralen Heraus­for­de­rungen unserer Zeit.

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Tareno Wasser­fonds

Verant­wort­lich

Stefan Schütz
Fund Manager
s.​schuetz@​tareno.​ch

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