Wasser­sektor im Wandel: Was die Ergeb­nisse des Mai verraten

Der Mai brachte eine spürbare Stimmungs­auf­hel­lung an den Finanz­märkten. Robuste Unter­neh­mens­er­geb­nisse, nachlas­sender Infla­ti­ons­druck und ein entspann­teres geopo­li­ti­sches Umfeld stärkten das Anleger­ver­trauen, sinkende Energie­preise sorgten für zusätz­liche Entla­stung. Die Risiko­be­reit­schaft kehrte zurück, wenngleich selektiv: Die Markt­be­we­gung blieb auf eine Handvoll Unter­nehmen konzen­triert, die vom Thema Künst­liche Intel­li­genz profi­tieren. Für den breiten Markt fällt das Bild unein­heit­li­cher aus.

Vor diesem Hinter­grund verzeich­nete der Tareno Global Water Solutions Fund im Berichts­monat eine Wertent­wick­lung von −1.75% (Tranche W‑EUR). Wasser­titel, die ihren eigenen Rhythmus haben, geprägt von Regulie­rung, Erneue­rungs­zy­klen und dem Investi­ti­ons­ver­halten der Versor­gungs­un­ter­nehmen, parti­zi­pierten nur begrenzt an der Risk-on-Erholung des Monats. 

Steigender Investi­ti­ons­be­darf prägt die Zukunft der Wasser­in­fra­struktur

Mit einer grund­le­genden Frage eröff­nete der Mai die Diskus­sion im gesamten Wasser­sektor: Wer trägt die Kosten, und in welcher Höhe? Der ameri­ka­ni­sche Branchen­ver­band American Water Works Associa­tion (AWWA) veröf­fent­lichte seinen wegwei­senden Bericht Beyond the Repla­ce­ment Era – die bislang umfas­sendste Bestands­auf­nahme des Investi­ti­ons­be­darfs in der US-ameri­ka­ni­schen Trink­was­ser­in­fra­struktur. Die Ergeb­nisse sind ernüch­ternd: Für die nächsten 25 Jahre wird ein Gesamt­in­ve­sti­ti­ons­be­darf von umgerechnet USD 2.1 bis 2.4 Billionen ausge­wiesen, ein Betrag, der frühere Schät­zungen weit übersteigt, weil er über den blossen Ersatz alter Rohrlei­tungen hinaus­geht. Die Versor­gungs­un­ter­nehmen sehen sich einem sich wechsel­seitig verstär­kenden Anfor­de­rungs­ge­füge gegen­über: Erfül­lung regula­to­ri­scher Auflagen, Klima­re­si­lienz, Cyber­si­cher­heit sowie die Aufbe­rei­tung zuneh­mend komplexer Wasser­quellen. Die öffent­liche Hand deckt ledig­lich 3.9% der Investi­tionen im Wasser­sektor, weit weniger als andere Infra­struk­tur­sek­toren erhalten. Die verblei­bende Lücke lastet auf den lokalen Versor­gern und letzt­lich auf den Endkunden. 

Mitte Mai legte die EPA Änderungs­vor­schläge zu ihren PFAS-Grenz­wert­re­ge­lungen vor, jener Klasse persi­stenter chemi­scher Schad­stoffe, für die inzwi­schen bundes­weite Trink­was­ser­grenz­werte gelten. Ein Vorschlag sieht vor, die bestehenden Grenz­werte für die zwei am besten unter­suchten Verbin­dungen beizu­be­halten, den Versor­gern aber eine zweijäh­rige Frist­ver­län­ge­rung bis 2031 einzu­räumen. Ein zweiter Vorschlag würde die Regelungen für mehrere weniger gut erforschte PFAS-Varianten vollständig aufheben. Für Versorger, die Nachrü­st­in­ve­sti­tionen bereits einge­plant haben, schafft dies neue Unsicher­heit. Für Anbieter von Filter- und Aufbe­rei­tungs­tech­no­lo­gien verzö­gert der längere Zeitho­ri­zont den Investi­ti­ons­zy­klus, jedoch ohne ihn aufzu­heben.  

Berichts­saison bestä­tigt robuste Funda­men­tal­daten im Wasser­sektor

Die Berichts­saison war ein nützli­cher Belastungs­test. Bei den meisten Portfo­lio­ti­teln entwickelten sich die opera­tiven Geschäfte weiterhin solide. Die Diskre­panz zwischen Betriebs­er­geb­nissen und Kursent­wick­lung war in einigen Fällen ausge­prägt und aufschluss­reich. 

Takuma (+21%), eine japani­sche Unter­neh­mens­gruppe im Bereich Umwelt- und Energie­infra­struktur, überzeugte mit Rekord­auf­trags­ein­gängen und einem Rekord­ergebnis, getragen von starker Inlands­nach­frage. Die Ankün­di­gung weiteren Gewinn­wachs­tums sowie einer Rekord­di­vi­dende zog das Anleger­inter­esse auf sich. Andritz (+8%) verzeich­nete einen kräftigen Auftrags­ein­gang und wachsendes Auftrags­pol­ster. Halma (+8%) wuchs organisch und verbes­serte seine Margen, mit beson­derer Stärke in der Wasser­ana­lytik und Umwelt­über­wa­chung. Aalberts (+21%) erholte sich dank verbes­sertem Free Cashflow und guter Auftrags­lage an den wichtig­sten Endmärkten.  

United Utili­ties übertraf mit seinem Jahres­ab­schluss und dem strate­gi­schen Ausblick die Erwar­tungen deutlich. Das briti­sche regulierte Wasser­un­ter­nehmen erhöhte sein Investi­ti­ons­pro­gramm für die laufende Regulie­rungs­pe­riode AMP8, den fünfjäh­rigen Investi­ti­ons­zy­klus in England und Wales, um GBP 2.5 Milli­arden auf insge­samt GBP 11.5 Milli­arden, teilfi­nan­ziert durch eine Kapital­erhö­hung von GBP 800 Millionen. Diese Zahlen spiegeln sowohl den erheb­li­chen Erneue­rungs­be­darf der briti­schen Wasser­netze als auch einen zuneh­mend investi­ti­ons­för­dernden Rahmen durch den Regulator Ofwat wider. 

Veolia wies für das erste Quartal einen Umsatz von EUR 11.4 Milli­arden aus, ein organi­sches Wachstum von gut 2%, bei einer EBITDA-Marge von 15.5%. Die Sparte Water Techno­lo­gies legte um 4.3% zu, berei­nigt um Verzö­ge­rungen infolge der Spannungen im Nahen Osten. Die geplante Übernahme von Clean Earth, einem US-ameri­ka­ni­schen Spezia­li­sten für Sonder­müll und PFAS-Behand­lung, erhielt die kartell­recht­liche Freigabe und soll Mitte 2026 abgeschlossen werden. Die Trans­ak­tion stärkt Veolias Position im wachs­tums­starken Bereich der US-Konta­mi­na­ti­ons­be­sei­ti­gung. 

Die Ingenieur- und Beratungs­un­ter­nehmen präsen­tierten ein anderes Bild. Stantec meldete einen Netto­um­satz­an­stieg von 9% im ersten Quartal, einen Rekord­auf­trags­be­stand von CAD 9 Milli­arden sowie ein organi­sches Wachstum von 14% im Wasser­seg­ment. WSP Global erhöhte die Jahres­pro­gnose nach einem Netto­um­satz­wachstum von knapp 11% im ersten Quartal und einem Rekord­auf­trags­be­stand von CAD 19.7 Milli­arden. Tetra Tech hob ebenfalls die Guidance an: Die Umsätze im Bereich Wasser­in­fra­struktur stiegen um 16%, der opera­tive Cashflow erreichte ein Allzeit­hoch. Dennoch verloren alle drei Titel zwischen 14% und 16% ihres Kurswertes. Der Auslöser waren nicht die Ergeb­nisse selbst, sondern eine breitere Neube­wer­tung des Sektors: Anleger begannen, die langfri­stigen Auswir­kungen agenti­scher Künst­li­cher Intel­li­genz auf Geschäfts­mo­delle von Ingenieur- und Beratungs­un­ter­nehmen einzu­preisen. Die Neube­wer­tung erfolgte rasch und ohne Diffe­ren­zie­rung. WSP kündigte Investi­tionen von USD 100 bis 200 Millionen in KI- und Digital­ka­pa­zi­täten über den Zyklus an, um diesem Wandel proaktiv zu begegnen. Ob die Markt­re­ak­tion als weitsichtig oder voreilig einzu­schätzen ist, bleibt offen. Die funda­men­talen Kennzahlen, Auftrags­be­stand, Margen und das Wachstum im Wasser­seg­ment, sind jeden­falls intakt geblieben. 

SABESP überzeugte operativ mit einem berei­nigten EBITDA-Wachstum von 26% und einem Netto­ge­wünn-Plus von 32%. Der Kurs verlor dennoch 17%, belastet durch den Entscheid des Unter­neh­mens, den Erwerb von Copasa, dem staat­li­chen Wasser­ver­sorger des Bundes­staates Minas Gerais, nicht weiter­zu­ver­folgen. Der Markt hatte Konso­li­die­rungs­op­tio­na­lität einge­preist; deren Wegfall löste eine Neube­wer­tung aus, die durch politi­sche und regula­to­ri­sche Unsicher­heit rund um die Trans­ak­tion verstärkt wurde. 

Nachhal­tig­keit: Mehr Trans­pa­renz bei Wasser­ri­siken

Der Umgang der Investo­ren­ge­mein­schaft mit Wasser als finan­ziell materialem Risiko­faktor gewann im Mai an Kohärenz. «Respon­sible Investor» berich­tete über eine neue Initia­tive zur Verein­heit­li­chung von Wasser­ri­siko-Leitli­nien für insti­tu­tio­nelle Investoren. Ein überfäl­liger Schritt, denn das Fehlen eines gemein­samen Rahmens hat es bislang erschwert, wasser­as­so­zi­ierte Risiken über Portfo­lios hinweg zu verglei­chen oder Unter­nehmen konsi­stent zu adres­sieren. Im selben Zeitraum rückte die Konzen­tra­tion sogenannter Blue Bonds, Anleihen mit zweck­ge­bun­dener Verwen­dung für Wasser- und Meeres­pro­jekte in Schwel­len­län­dern in den Fokus. Dies verweist auf ein Wachs­tums­po­ten­zial, aber auch auf eine Lücke in der nachhal­tigen Wasser­fi­nan­zie­rung der Industrie­länder. Für Investoren in kotierte Wasser­un­ter­nehmen dürften besser harmo­ni­sierte Risiko­leit­li­nien mittel­fri­stig zu einer genaueren Bewer­tung wasser­re­le­vanter Faktoren in Aktien- wie Anlei­he­märkten beitragen. Die Entwick­lungs­rich­tung bleibt konstruktiv. 

Portfo­lio­po­si­tio­nie­rung: Diver­si­fi­ka­tion bleibt entschei­dend

Die sich abzeich­nende Einigung zwischen den USA und dem Iran sowie die erwar­tete Wieder­eröff­nung der Strasse von Hormus markieren eine spürbare Entspan­nung des geopo­li­ti­schen Umfelds. Eine Norma­li­sie­rung der Lage wäre grund­sätz­lich unter­stüt­zend für Aktien wie Anleihen – wenngleich die Aktien­märkte während der Krise bemer­kens­wert wider­stands­fähig blieben und eine günstige Entwick­lung mögli­cher­weise bereits teilweise vorweg­ge­nommen haben. Wir beobachten die Risiken rund um das Thema Erschwing­lich­keit aufmerksam: Der Preis­auf­trieb schlägt zuneh­mend auf die Realwirt­schaft durch, und die mit dem Wohnungsbau verknüpften Segmente des Wasser­uni­ver­sums reagieren beson­ders sensibel auf das Zinsni­veau. Mit Beginn der liqui­di­täts­är­meren Sommer­mo­nate könnte die kurzfri­stige Volati­lität zunehmen. In diesem Umfeld bleibt die geogra­fi­sche und geschäfts­mo­dell­be­zo­gene Diver­si­fi­ka­tion unser leitendes Prinzip – mit Ertrags­qua­lität und Stabi­lität der Cashflows als den Eigen­schaften, die wir am höchsten gewichten.

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Tareno Wasser­fonds

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Stefan Schütz
Fund Manager
s.​schuetz@​tareno.​ch

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