Wassermarkt Oktober 2025: Innovation trotz Volatilität

Globale Wasserstrategien, technologische Innovationen und regulatorische Impulse prägten den Oktober. Trotz aktuellen Marktschwankungen bleibt der Wassersektor langfristig auf Kurs. Rückenwind geben Infrastrukturinvestitionen, Nachhaltigkeitsziele und die wachsende Bedeutung smarter Technologien.

Regulatorische Strömungen: Politik und Innovation treiben die Wasser-Resilienz voran

Der Oktober brachte intensivierte Bemühungen von Politik und Industrie für eine resiliente Wasserversorgung. Mitte Oktober verabschiedeten die EU-Umweltminister Ratsschlussfolgerungen zur neuen Europäischen Wasserstrategie der Kommission, mit dem Ziel, sauberes und bezahlbares Wasser für alle durch integriertes, naturbasiertes Management bereitzustellen. In Grossbritannien lancierte die Regulierungsbehörde Ofwat eine Konsultation zu strengeren Umweltkennzahlen und schlug verbesserte Berechnungsmethoden für Verschmutzungsvorfälle und Compliance vor, abgestimmt auf die aktualisierten Standards der Environment Agency.

Auch technologisch gab es Schlagzeilen. South West Water sicherte sich einen mehrstelligen Millionenbetrag für PEDAL, ein KI-gestütztes Projekt, das Satelliten, Drohnen und Sensoren kombiniert, um den ersten britischen «Digital Twin» zur Vorhersage giftiger Algenblüten in Reservoirs zu entwickeln. Das Ziel? Frühzeitiges Eingreifen und saubereres Trinkwasser. DuPont brachte ein Ultrafiltrationsmodul auf den Markt, das höheren Durchfluss bei niedrigeren Kosten verspricht, während Toray eine fortschrittliche UF-Membran mit feineren Nanoporen vorstellte, die Verschmutzung reduziert und CO₂-Emissionen um über 30% senkt. Die Produktion läuft bereits in Nordamerika und Japan.

In den USA rückte die Wasserwiederverwendung in den Fokus. Neue Analysen schätzen die Ausgaben der US-Gemeinden für Wasserwiederverwendung auf USD 47 Milliarden von 2025 bis 2035, angetrieben durch direkte Trinkwasseraufbereitung und steigende industrielle Nachfrage. Trotz insgesamt verhaltener M&A-Aktivität (weniger als 166 Wasser-Deals im laufenden Jahr) kam die Blockbuster-Ankündigung des Monats von American Water Works und Essential Utilities, deren geplante Fusion die anhaltende Konsolidierung regulierter Versorgungsunternehmen unterstreicht.

Earnings Pulse: Resilienz, Neuerfindung und der übliche Halloween-Schreck

Die Berichtssaison lieferte ihre gewohnte Mischung aus soliden Ergebnissen, strategischen Neuausrichtungen und der einen oder anderen Marktüberreaktion. Trotz globaler Unsicherheit berichteten viele Unternehmen in unserem Universum von ermutigender Dynamik – nicht nur in den Zahlen, sondern auch in ihrer strategischen Positionierung für die Zukunft.

Xylem und Veralto: Zuversicht und starke Umsetzung

Xylem setzte seine stetige Transformation vom industriellen Schwergewicht zum Smart-Water-Leader fort und verzeichnete solides Wachstum in allen Segmenten, insbesondere bei Sensoren und digitalen Dienstleistungen. Veralto, das nach der Abspaltung von Danaher noch an seiner eigenständigen Identität arbeitet, zeigte Wachstum in den Bereichen Wasserqualität und Laboranalytik. Beide Unternehmen hoben ihre Jahresprognosen an – ein Zeichen starker Umsetzung und wachsenden Vertrauens.

Pentair: Technologiegetriebenes Wachstum mit Fokus auf Hausbesitzer

Pentair sorgte mit einer strategischen Akquisition zur Stärkung seines Ventil- und Steuerungsangebots für Aufsehen und unterstützt damit den Vorstoss in smarte Wohnwassersysteme. Während der breitere Häusermarkt schwach bleibt, sieht Pentair Chancen in vernetzten Filtrations- und Durchflusstechnologien für Hausbesitzer.

A.O. Smith: Abkühlung in China, Aufheizung anderswo

A.O. Smith sah sich in China Gegenwind ausgesetzt. Die Nachfrage liess nach Auslaufen staatlicher Anreize im Vorjahr weiter nach. In Nordamerika hingegen hielt sich das Geschäft mit kommerziellen Warmwasserbereitern gut, gestützt durch steigende Effizienzstandards. Nachhaltigkeit bleibt ein zentraler Wachstumstreiber.

Mueller Industries und Gorman-Rupp: Infrastruktur im Fokus

Für Mueller Industries schufen neue US-Zölle sowohl Herausforderungen als auch Chancen. Mit seiner starken inländischen Produktionsbasis könnte das Unternehmen Marktanteile gewinnen, während Wettbewerber ihre Lieferketten anpassen müssen. Gorman-Rupp profitiert derweil von stetigen Modernisierungen kommunaler Wassersysteme. Pumpen, Ventile und Aufbereitungsanlagen bleiben gefragt.

Jeder verdient einen guten Schreck zu Halloween

Wer meine Oktober-Updates über die Jahre verfolgt hat, weiss: Meist lauert irgendwo ein Halloween-artiger Marktschreck – und diese Saison enttäuschte nicht.

Arcadis, ein Anbieter von Umweltberatungsdienstleistungen, verzeichnete weiterhin starke Nachfrage, von Hochwasserschutz bis zu städtischen Regenwassersystemen. Das Unternehmen reitet auf der globalen Welle der Anpassungen an den Klimawandel. Itrons Quartal stach durch Rekordrentabilität heraus, weniger durch spektakuläre Umsätze. Seine neueste digitale Plattform, die Echtzeit-Intelligence für Wasser- und Energienetze bringt, gewinnt an Zugkraft, auch wenn einige Versorgungsunternehmen Bestellungen verzögern. Das langfristige Spiel? Ein smarteres, reaktionsfähigeres Wassernetzwerk.

Auf den ersten Blick erzählten beide Unternehmen überzeugende Geschichten: starke Nachfrage, strategische Positionierung, vielversprechende langfristige Trends. Dann kamen die Fussnoten. Arcadis verfehlte den Free Cashflow aufgrund von Verzögerungen bei der Rechnungsstellung im Zusammenhang mit einem ERP-Rollout und Projekt-Timing. Itron lieferte exzellente Q3-Ergebnisse, enttäuschte aber mit einem vorsichtigen Q4-Umsatzausblick.

Der Markt wartete nicht auf Nuancen. Beide Aktien wurden mit Kurseinbrüchen von über 20% bestraft – eine Reaktion, die eher zu einem Skandal als zu terminlichen Verzögerungen passt.

Seien wir klar: Die Fundamentaldaten haben sich nicht geändert. Leitungen müssen weiter gewartet werden, Versorgungsunternehmen bleiben reguliert, und Wasser bleibt essenziell. Aber die Reaktionsfunktion des Marktes? Das ist eine andere Geschichte. Wir leben in einer Welt, in der Nuancen wie Drama bewertet werden und kurzfristige Narrative oft langfristige Logik übertreffen.

Wir nutzten die Gelegenheit, beide Positionen aufzustocken.

Skalierung nutzen: Das grösste Wasserversorgungsunternehmen Amerikas entsteht

Ende Oktober kündigten zwei Giganten der US-Wasserversorgung, American Water Works und Essential Utilities, ihre Fusion zum grössten regulierten Wasser- und Abwasserunternehmen des Landes an. Der USD 63 Milliarden schwere Aktientausch erstreckt sich über 17 Bundesstaaten und fast 5 Millionen Kunden und verspricht Effizienz, Skalierung und eine stärkere Basis für Infrastrukturinvestitionen.

Doch der Weg ist nicht ohne Hindernisse. Regulierungsbehörden in mehreren Bundesstaaten müssen die Fusion genehmigen, und die Unternehmen stehen vor Jahren der Integration. Für langfristige Investoren ist dies eine mutige Wette auf Grösse und Stabilität. Wir halten Sie auf dem Laufenden, während dieser Deal voranschreitet. Im Wassergeschäft brauchen grosse Schritte Zeit.

ESG & Regulatorisches Umfeld

Im Bereich der nachhaltigen Finanzierung boten europäische Regulierungsbehörden neue Leitlinien. Luxemburgs CSSF veröffentlichte Feedback zum SFDR «Reality Check» der ESMA und stellte dabei generell zufriedenstellende Compliance fest, mahnte Fonds aber, generische ESG-Behauptungen zu vermeiden. SFDR-konforme Methoden müssen in den Offenlegungen explizit erklärt werden – vage Verweise auf UN-SDGs ohne Details gelten als unzureichend.

Separat befasste sich das EU-Parlament mit Nachhaltigkeitsberichterstattungsregeln. Anfang Oktober einigten sich die Abgeordneten vorläufig darauf, die CSRD-Schwellenwerte auf 1’000+ Mitarbeiter und EUR 450 Millionen Umsatz zu senken, obwohl eine Plenumsentscheidung verschoben wurde. Global veranstaltete das ISSB am 30. Oktober ein Nachhaltigkeitssymposium und kündigte eine erweiterte Arbeitsgruppe an, um das «Passporting» seiner Offenlegungsstandards über Jurisdiktionen hinweg zu fördern – mit dem Ziel, die ESG-Berichterstattung zu harmonisieren und Fragmentierung zu reduzieren.

Vorsichtiger Optimismus mit defensiver Positionierung

Im Oktober verzeichnete der Tareno Global Water Solutions Fund eine Performance von -0.5% (W-EUR Tranche).

Zum Jahresende zeigt der Wassersektor resiliente Fundamentaldaten, gestützt durch säkulare Wachstumstreiber: Erneuerung alternder Infrastruktur, strenge Umweltvorschriften, Bewältigung von Wasserknappheit sowie neue Chancen in der Rechenzentrum-Kühlung und industriellen Wasserwiederverwendung. Die politische Unterstützung bleibt auf beiden Seiten des Atlantiks robust, mit bedeutenden Investitionen in nachhaltige Wasserlösungen.

Die Q3-Berichtssaison bestätigte, dass führende Unternehmen erfolgreich durch eine komplexe Landschaft navigieren, die von handelspolitischen Unsicherheiten, Kostendruck und ungleichmässiger Endmarktnachfrage geprägt ist. Managementteams haben proaktiv mit Betriebseffizienz-Initiativen, strategischer Portfoliooptimierung und disziplinierter Kapitalallokation reagiert. Innovation geht in hohem Tempo weiter. Digitale Lösungen, fortschrittliche Membrantechnologien und KI-gestützte Überwachungssysteme positionieren den Sektor für langfristige Wertschöpfung.

Dennoch bleiben wir angesichts der aktuellen Bewertungsniveaus, insbesondere in den US-Märkten, wo wenig Raum für Enttäuschungen bleibt, zurückhaltend. Während wir hinsichtlich der langfristigen Aussichten des Sektors konstruktiv bleiben, bevorzugen wir kurzfristig Qualitätsunternehmen mit starken Bilanzen, sichtbarem Gewinnwachstum und angemessenen Bewertungen. Selektivität wird auch 2026 von grösster Bedeutung bleiben.

2026-02-02-Tareno-Portraits-Stefan-Schuetz5545-2-276x276

Möchten Sie mehr erfahren?

Haben Sie Fragen zum Bericht oder möchten Sie mehr über den Tareno Global Water Solutions Fund erfahren? Dann melden Sie sich gerne bei uns.

Publikationen

Tareno Wasserfonds

Verantwortlich

Stefan Schütz
Fund Manager
s.schuetz@tareno.ch

 

Disclaimer

This information is not intended as an offer or solicitation with respect to the purchase or sale of shares of the Variopartner SICAV-Tareno Global Water Solutions Fund. Please be aware that investment funds involve investment risks, including the possible loss of the principal amount invested. For a detailed description of the risks in relation to each share in the investment fund, please see the prospectus. Investments of the Luxemburg Variopartner SICAV-Tareno Global Water Solutions Fund should be made due to the fund’s latest prospectus, the statutes, the latest annual report and, if applicable, the half-yearly report. These documents are available free of charge from the domicile of the fund at 33, rue Gasperich, L-5826 Hesperange, Luxemburg, or from Vontobel Fonds Services AG, Dianastrasse 9. CH-8022 Zürich, Switzerland and Bank Vontobel AG, Zürich, Switzerland.

Bilder: Jürg Kaufmann, Lucia Hunziker, Marijke Vosmeer