Der Zollstreit geht in die nächste Runde

Vor vier Monaten überraschte der US-Präsi­dent Donald Trump mit der Einfüh­rung sogenannter „Reziproken“ Zölle, was umgehend zu massiven Reaktionen an den Finanz­märkten führte. Die Angst vor einem eskalie­renden Handels­kon­flikt und einem konjunk­tu­rellen Abschwung war deutlich spürbar.

Vor vier Monaten überraschte der US-Präsi­dent Donald Trump mit der Einfüh­rung sogenannter „Reziproken“ Zölle, was umgehend zu massiven Reaktionen an den Finanz­märkten führte. Die Angst vor einem eskalie­renden Handels­kon­flikt und einem konjunk­tu­rellen Abschwung war deutlich spürbar. Nach einer Woche folgte das Zurück­ru­dern: Am 9. April wurden die Zölle für viele Länder auf 10 % gesenkt, für China folgte dieser Schritt einen Monat später. Die Märkte atmeten auf, und erste bilate­rale Einigungen mit Ländern wie dem Verei­nigten König­reich (10 %), Südkorea, Japan sowie der EU (alle 15 %) sorgten für vorsich­tigen Optimismus hinsicht­lich eines glimpf­li­chen Ausgangs des Handels­kriegs und eines Abschlusses des leidigen Zoll-Themas.

Doch am 31. Juli schlug die US-Regie­rung erneut einen konfron­ta­tiven Kurs ein. Die Zölle wurden für einige Länder deutlich erhöht, darunter 25% für Indien, 35% für Kanada und 39% für die Schweiz. Laut dem Budget Lab der Yale Univer­sity steigen damit die gewich­teten durch­schnitt­li­chen US-Zollsätze auf etwa 18%.

 

Finanz­märkte unter Druck

Die neuen Zolldro­hungen trugen zu den weltweiten Kursver­lu­sten an den Aktien­märkten von 2–3% am 1. August bei. Auch der Schweizer Markt dürfte nach dem Natio­nal­fei­ertag am Montag mit deutli­chen Abgaben eröffnen. Neben den neuen Handels­bar­rieren trugen auch enttäu­schende US-Arbeits­markt­daten zur Verun­si­che­rung bei. Hinzu kommt, dass die Federal Reserve durch den Zollstreit in ihrer geldpo­li­ti­schen Flexi­bi­lität einge­schränkt wird. Noten­bank­chef Jerome Powell hielt zuletzt dem Druck aus dem Weissen Haus stand und beliess die Leitzinsen unver­än­dert.

Wie geht es weiter?

Die neuen Zollan­kün­di­gungen dürften primär als Verhand­lungs­taktik zu verstehen sein. Die Erfah­rung der letzten Monate zeigt, dass nach einer kurzfri­stigen Eskala­tion die effek­tiven Zölle meist in einer Bandbreite von 10–20 % einge­führt wurden. Wir erwarten, dass auch die Schweiz eine Einigung erzielt und letzt­lich in diesem Bereich landen wird – womög­lich bevor die Zölle von 39% in Kraft treten.

Wir gehen weiterhin davon aus, dass die US-Zölle in dieser Bandbreite das globale Wachstum zwar dämpfen, jedoch nicht zum Still­stand bringen werden. Die aller­mei­sten betrof­fenen Unter­nehmen werden die Zusatz­ko­sten mittel­fri­stig an die US-Konsu­menten weiter­rei­chen können.

Positive Impulse nicht übersehen

Trotz der Unsicher­heit rund um den Zollkon­flikt gibt es auch Licht­blicke: Der Inter­na­tio­nale Währungs­fonds hat jüngst seine globalen Wachs­tums­pro­gnosen angehoben – gestützt durch niedri­gere Zinsen, eine expan­sive Fiskal­po­litik und günstige Finan­zie­rungs­be­din­gungen. Nicht zu vernach­läs­sigen sind die zusätz­li­chen Wachs­tums­im­pulse durch Investi­tionen in die Infra­struktur und Fortschritte im Bereich der künst­li­chen Intel­li­genz

 

Investiert bleiben

Trotz der aktuellen Rückschläge bleibt unser mittel­fri­stiger Ausblick für Aktien konstruktiv. Auch sehen wir keinen Anpas­sungs­be­darf unserer Portfo­lios. Unsere Portfo­lio­un­ter­nehmen sind gegen die US-Handels­bar­rieren gut geschützt, indem sie mehrheit­lich lokal produ­zieren oder über eine hohe Preis­set­zungs­macht verfügen. Die Dienst­lei­stungs­un­ter­nehmen sind ohnehin nur indirekt betroffen.

Mit Zukäufen zuwarten

Kurzfri­stig ist jedoch erhöhte Vorsicht angebracht. Nach der starken Aufhel­lung der Markt­stim­mung seit April und angesichts der fragilen geopo­li­ti­schen Lage könnten Gewinn­mit­nahmen einsetzen. Wir empfehlen daher, mit Neupo­si­tio­nie­rungen aktuell zuzuwarten.

Fear and Greed Index (im April “extreme fear”, im Juli “extreme greed”, jetzt neutral)

 

Heraus­geber: Tareno AG, Garten­strasse 56, 4052 Basel, Tel. +41 61 282 28 00, info@​tareno.​ch, www.tareno.ch. Wir freuen uns über Rückmel­dungen zu unserer Publi­ka­tion. Vorlie­gender Inhalt dient ledig­lich zu Infor­ma­ti­ons­zwecken. Die Publi­ka­tion enthält weder Rechts- noch Anlage­be­ra­tung oder Anlage­emp­feh­lungen und stellt auch kein Angebot bezie­hungs­weise keine Auffor­de­rung zur Tätigung einer Anlage dar.

Bilder / Grafiken: Die Grafiken wurden von der Tareno AG aus öffent­li­chen Markt­daten gefer­tigt.

Autor

Simon Lutz
Simon Lutz
Chief Investment Officer

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