Künst­liche Intel­li­genz: Warum der KI-Boom auch den Wasser­sektor verän­dert

Der KI Boom erhöht nicht nur die Nachfrage nach leistungs­fä­higen Chips und Rechen­zen­tren, sondern auch nach Wasser­tech­no­lo­gien. Von ultrareinem Wasser in der Halblei­ter­pro­duk­tion bis zu effizi­enten Kühlsy­stemen entstehen entlang der Wasser­wert­schöp­fungs­kette neue struk­tu­relle Chancen.
KI Aktien ziehen davon

KI braucht Wasser

Künst­liche Intel­li­genz gilt als einer der wichtig­sten Wachs­tums­treiber der kommenden Jahre. Im Fokus stehen dabei meist grosse Techno­lo­gie­un­ter­nehmen und der massive Ausbau von Rechen­zen­tren. Entspre­chend war das KI-Universum im zweiten Quartal 2026 für einen grossen Teil der globalen Kursge­winne verant­wort­lich. Doch hinter dieser Entwick­lung steht nicht nur eine neue Techno­logie, sondern auch eine umfang­reiche physi­sche Infra­struktur und eine Ressource, die dabei häufig unter­schätzt wird: Wasser.

Von der Herstel­lung leistungs­fä­higer Chips bis zum Bau und Betrieb der Rechen­zen­tren wird Wasser benötigt. Der KI-Boom wirkt deshalb weit über den Techno­lo­gie­sektor hinaus und schafft neue Anfor­de­rungen an Wasser­auf­be­rei­tung, Kühlung und Infra­struktur.

Quelle Grafik: Tareno View Juli 2026

Ohne Chips keine künst­liche Intel­li­genz

Die Entwick­lung leistungs­fä­higer KI-Modelle wäre ohne spezia­li­sierte Hochlei­stungs­chips nicht möglich. Sie übernehmen die komplexen Rechen­ope­ra­tionen, auf denen moderne KI-Anwen­dungen basieren.

Bereits bei deren Herstel­lung spielt Wasser eine zentrale Rolle, denn ihre Produk­tion ist sehr wasser­in­tensiv. TSMC, einer der weltweit führenden Chipher­steller, verbrauchte 2025 rund 151 Millionen Kubik­meter Wasser. Das entspricht mehr als 400 Millionen Liter pro Tag. Mit zuneh­mender Komple­xität der Chips steigt der Bedarf, da mehr Produk­tions- und Reini­gungs­schritte erfor­der­lich sind.

Ein grosser Teil dieses Wassers wird als ultrareines Wasser benötigt, das nahezu vollständig von Minera­lien, Parti­keln und anderen Verun­rei­ni­gungen befreit ist. Hier kommen spezia­li­sierte Wasser­tech­no­lo­gie­un­ter­nehmen ins Spiel. Kurita Water Industries beispiels­weise entwickelt und betreibt Systeme zur Versor­gung der Halblei­ter­indu­strie mit ultrareinem Wasser. Auch die japani­sche Organo Corpo­ra­tion stellt Anlagen für ultrareines Wasser und weitere Wasser­auf­be­rei­tungs­lö­sungen für die Halbleiter- und Elektronik­in­du­strie bereit.

Doch mit der Produk­tion der Chips ist es nicht getan. Damit ihre enorme Rechen­lei­stung genutzt werden kann, braucht es eine weitere physi­sche Infra­struktur: Rechen­zen­tren.

Chip Herstellung

Warum Rechen­zen­tren Wasser benötigen

In Rechen­zen­tren werden grosse Daten­mengen verar­beitet sowie KI-Modelle trainiert und betrieben. Mit der zuneh­menden Verbrei­tung künst­li­cher Intel­li­genz steigt deshalb der Bedarf an leistungs­fä­higer Rechen­zen­trums­in­fra­struktur. Die hohe Rechen­lei­stung der einge­setzten Chips erzeugt erheb­liche Wärme, die zuver­lässig abgeführt werden muss. Wasser­ba­sierte Systeme und Flüssig­keits­küh­lung spielen dabei eine zuneh­mend wichtige Rolle.

Starkes Wachstum fuer Fluessigkuehlunh in Rechenzentren erwartet 4

Quelle: Grand View Research, Kepler Cheuvreux, Darstel­lung: Tareno AG

Hier kommen verschie­dene Unter­nehmen aus dem Wasser­sektor ins Spiel. Xylem bietet Lösungen entlang des Kühlwas­ser­kreis­laufs – von Pumpen und Filtra­tion über Wasser­auf­be­rei­tung bis zur digitalen Überwa­chung. Gorman-Rupp liefert Pumpen­sy­steme, die unter anderem bei der Flüssig­keits­küh­lung direkt an Server-Racks, in HVAC-Kühlsy­stemen und im Brand­schutz einge­setzt werden. Watts Water Techno­lo­gies wiederum stellt Ventile, Filtra­ti­ons­lö­sungen und weitere Kompo­nenten bereit, mit denen Wasser in geschlos­senen Kühlsy­stemen gesteuert, behan­delt und effizient im Kreis­lauf geführt werden kann.

Mit der zuneh­menden Bedeu­tung wasser­ba­sierter Kühllö­sungen wächst der Druck, die dafür benötigte Ressource möglichst effizient einzu­setzen. Die Heraus­for­de­rung wird zusätz­lich dadurch verschärft, dass viele Rechen­zen­tren in Regionen mit begrenzter Wasser­ver­füg­bar­keit entstehen. Bei der Stand­ort­wahl stehen häufig andere Faktoren wie Strom­ver­sor­gung, Netzan­bin­dung oder Grund­stücks­ver­füg­bar­keit im Vorder­grund. Umso wichtiger werden Lösungen, die Wasser effizient aufbe­reiten, wieder­ver­wenden und möglichst lange in geschlos­senen Kreis­läufen halten.

 

Was der KI-Boom für Anleger im Wasser­sektor bedeutet

Für Anleger zeigt diese Entwick­lung einmal mehr, dass sich die wirtschaft­li­chen Auswir­kungen eines langfri­stigen Wachs­tums­trends nicht auf dessen offen­sicht­lichste Profi­teure beschränken. Der Ausbau künst­li­cher Intel­li­genz schafft auch Nachfrage bei Unter­nehmen, deren Techno­lo­gien für den Aufbau und Betrieb der notwen­digen Infra­struktur benötigt werden.

Im Wasser­sektor trifft diese zusätz­liche Nachfrage auf einen ohnehin hohen struk­tu­rellen Investi­ti­ons­be­darf. Vieler­orts müssen bestehende Netze moder­ni­siert, Wasser­ver­luste reduziert sowie mehr Wasser aufbe­reitet und wieder­ver­wendet werden.

Künst­liche Intel­li­genz ist damit nicht die grund­le­gende Wachs­tums­these des Wasser­sek­tors, sondern ein zusätz­li­cher struk­tu­reller Treiber, der den bestehenden Investi­ti­ons­be­darf weiter verstärkt.

Wie Tareno Chancen im Wasser­sektor analy­siert

Tareno beschäf­tigt sich seit über 20 Jahren intensiv mit Unter­nehmen aus dem globalen Wasser­sektor. Das Team des Tareno Global Water Solutions Fund analy­siert Unter­nehmen entlang der gesamten Wasser-Wertschöp­fungs­kette und beschäf­tigt sich mit langfri­stigen Entwick­lungen in den Berei­chen Wasser­in­fra­struktur, Wasser­aufbereitung und effizi­ente Wasser­nut­zung. Auch neue techno­lo­gi­sche Entwick­lungen und deren Auswir­kungen auf die Wasser­nach­frage fliessen dabei in die Analyse der langfri­stigen Chancen und Risiken der einzelnen Unter­nehmen ein.

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Autorin

Katja von Krannichfeldt
Katja Von Krannichfeldt
Fondsmanagerin & ESG Analystin

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