Märkte im Bann des Iran-Konflikts

Seit dem Kriegs­aus­bruch im Iran vor gut einer Woche dominiert der Konflikt das Geschehen an den Finanz­märkten. Mit den wachsenden Sorgen um das Öl- und Gasan­gebot aus dem Nahen Osten hat sich die geopo­li­ti­sche Risiko­prämie im Energie­markt markant erhöht. In der Spitze sind die Ölpreise inner­halb weniger Tage um bis zu 60% gestiegen. Damit rücken Infla­ti­ons­ri­siken erneut ins Zentrum der Finanz­märkte. Wir ordnen die aktuelle Lage ein und zeigen, wie wir in unserer Portfo­lio­al­lo­ka­tion diesen Risiken begegnen.

Energie­preise treiben Infla­ti­ons­ängste

Steigende Energie­preise wirken wie eine Steuer auf die Weltwirt­schaft. Sie treiben die Infla­tion nach oben, belasten den Konsum und erhöhen die Produk­ti­ons­ko­sten der Unter­nehmen. Entspre­chend standen die Aktien­märkte seit Kriegs­be­ginn unter Druck. Beson­ders stark betroffen waren die europäi­schen Märkte und energie­in­ten­sive Sektoren, während Energie­ak­tien zu den wenigen Gewin­nern zählten.

Bilder / Grafiken: Die Grafiken wurden von der Tareno AG aus öffent­li­chen Markt­daten gefer­tigt.

Wer hat den längeren Atem?

Der weitere Verlauf der Märkte hängt entschei­dend von der Dauer des Konflikts ab. Zu Beginn setzte US-Präsi­dent Donald Trump auf ein rasches Ende, entweder durch einen politi­schen Deal oder durch einen Regime­wechsel. Doch trotz militä­ri­scher Rückschläge zeigt sich das irani­sche Regime bislang wider­stands­fähig.

Indem der Iran Energie­ex­porte aus der Golfre­gion behin­dert und kriti­sche Infra­struktur in Nachbar­staaten angreift, versucht er die wirtschaft­li­chen Kosten für die USA und ihre Verbün­deten zu erhöhen. Der Konflikt entwickelt sich damit zuneh­mend zu einer strate­gi­schen Abnut­zungs­schlacht. Entschei­dend für den Ausgang ist nicht nur militä­ri­sche Stärke, sondern auch die Fähig­keit, wirtschaft­liche Belastungen, Versor­gungs­schocks und infra­struk­tu­relle Schäden über längere Zeit zu verkraften.

Die wirtschaft­li­chen Risiken

Mit jedem Tag, an dem Energie­ex­porte aus der Golfre­gion einge­schränkt bleiben, steigt das Risiko einer Brems­wir­kung für die Weltwirt­schaft. Nach Schät­zungen des Inter­na­tio­nalen Währungs­fonds würde ein Ölpreis von USD 100 pro Fass:

  • die globale Wirtschafts­lei­stung um rund 0,4 % reduzieren.
  • die Infla­tion um etwa 1,2 % erhöhen.

Ein länger anhal­tender Liefer­un­ter­bruch könnte den Ölpreis weiter­treiben und die Konjunktur spürbar bremsen.

Basis­sze­nario: Entspan­nung

Ein langan­hal­tender Konflikt liegt jedoch kaum im Inter­esse der US-Regie­rung. Die ameri­ka­ni­sche Bevöl­ke­rung steht einem Krieg im Iran skeptisch gegen­über, und steigende Energie­preise sind politisch höchst unpopulär.

Wir halten daher eine Entspan­nung inner­halb der kommenden Wochen weiterhin für das wahrschein­lichste Szenario. In diesem Fall dürfte der Konflikt keine nachhal­tigen wirtschaft­li­chen Schäden hinter­lassen und an den Finanz­märkten zu einer Beruhi­gung führen.

Trotz unseres Basis­sze­na­rios sollten die Risiken nicht ausge­blendet werden. Nach drei Jahren kräftiger Kursge­winne sind die Bewer­tungen an vielen Aktien­märkten anspruchs­voll, und geopo­li­ti­sche Schocks können kurzfri­stig zu deutli­chen Rückschlägen führen.

Unsere Empfeh­lung lautet somit weiterhin: In Anbetracht der wahrschein­li­chen Entspan­nung investiert bleiben und unter Berück­sich­ti­gung der Abwärts­ri­siken mit grösseren Zukäufen zuwarten.

Infla­ti­ons­ri­siken strate­gisch begegnen

Der aktuelle Konflikt erinnert einmal mehr daran, dass Infla­ti­ons­schocks für Portfo­lios ein zentrales Risiko darstellen. In solchen Phasen bieten Anleihen nur begrenzten Schutz, da auch diese in Erwar­tung höherer Zinsen Kursein­bussen erleiden.

In unserer strate­gi­schen Alloka­tion mischen wir deshalb bewusst Anlage­klassen bei, die sich in Infla­ti­ons­phasen bewährt haben:

  • Rohstoff­ak­tien
  • Infra­struk­tur­an­lagen
  • Gold
  • sowie ein hoher Anteil Schweizer Franken

Diese Bausteine erhöhen die Robust­heit eines Portfo­lios in einem Umfeld zuneh­mender geopo­li­ti­scher Spannungen und Infla­ti­ons­ri­siken.

Autor

Simon Lutz
Simon Lutz
Chief Investment Officer

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