Portfo­lios wieder ins Gleich­ge­wicht bringen

Der globale Aktien­markt verzeich­nete in den letzten zwei Monaten eine spekta­ku­läre Kursrally, angeführt von Aktien aus dem KI-Universum. Von Ende März bis Ende Mai legten globale Aktien rund 16% zu, bevor in den letzten Handels­tagen bei den heiss­ge­lau­fenen KI-Werten eine Korrektur einsetzte und Kapital in andere Markt­seg­mente floss. Einmal mehr zeigt sich der Nutzen diszi­pli­nierter Gewinn­rea­li­sie­rungen in stark gestie­genen Bran-chen und gezielter Umschich­tungen in vernach­läs­sigte, aber struk­tu­rell intakte Markt­seg­mente. So lässt sich die ausge­prägte Sektor­ro­ta­tion am Aktien­markt aktiv nutzen, während die Portfo­lios wieder besser ins Gleich­ge­wicht gebracht werden.

10. Juni 2026

Ist die KI-Rally vorbei?

Die aktuelle Kurskor­rektur der KI-Profi­teure werten wir als gesunde Konso­li­die­rung nach starken Kursstei­ge­rungen, nicht als Trend­um­kehr. Die Kursan­stiege der letzten Monate waren nicht reine Speku­la­tion, sondern durch beein­druckendes Gewinn­wachstum funda­mental gestützt. Für das Jahr 2026 wird für Aktien im KI-Universum ein Gewinn­an­stieg von über 30% erwartet.

Da die Nachfrage nach KI-Anwen­dungen rasant steigt, gehen wir von einer Fortset­zung des KI-Infra­struk­tur­aus­baus und anhal­tendem Gewinn­wachstum aus. Rechen­zen­tren, Halbleiter, Strom­ver­sor­gung und digitale Infra­struktur bleiben zentrale Bausteine dieses Investi­ti­ons­zy­klus, das noch einige Jahre andauern wird.

Zeit für Rebalan­cing

So zuver­sicht­lich wir langfri­stig für das KI-Thema bleiben: Gewinn- und Kursstei­ge­rungen im aktuellen Tempo sind nicht nachhaltig. Die Margen­aus­wei­tung bei Halblei­ter­un­ter­nehmen wird früher oder später an Grenzen stossen und sich auch wieder norma­li­sieren.

Im Einklang mit unserer Philo­so­phie des antizy­kli­schen Rebalan­cings sehen wir es deshalb als angezeigt, Positionen in heiss­ge­lau­fenen Markt­seg­menten zu reduzieren. Dies haben wir im vergan­genen Monat bereits mit dem Verkauf von Qualcomm sowie Teilver­käufen von ABB und Alphabet umgesetzt.

Diese Empfeh­lung folgt nur wenige Wochen, nachdem wir Anfang April im Techno­lo­gie­sektor noch eine Kaufge­le­gen­heit sahen. Das zeigt eindrück­lich, wie stark die Sektor­ro­ta­tion derzeit ausfällt und welche Chancen sich daraus für aktive Manager ergeben.

Einstellen auf höhere Schwan­kungen

Mit Blick auf die kommenden Monate stehen den Aktien­märkten mehrere Belastungs­tests bevor.

Erstens führt der einge­schränkte Schiffs­ver­kehr durch die Strasse von Hormus zu Engpässen bei Rohöl, verflüs­sigtem Erdgas und petro­che­mi­schen Vorpro­dukten. In nachge­la­gerten Branchen drohen dadurch längere Liefer­zeiten und sinkende Lager­be­stände.

Zweitens ziehen als direkte Folge die Infla­ti­ons­zahlen global an. In den USA dürften diese über 4% zu liegen kommen. Dies ist kaum ein Umfeld, in dem die US-Noten­bank die Zinsen rasch senken kann, zumal sich der Arbeits­markt weiterhin in guter Verfas­sung präsen­tiert.

Drittens nimmt das Kapital­an­gebot durch die Aufnahme von frischem Geld am Kapital­markt in den nächsten Monaten spürbar zu. Zusätz­liche Emissionen von Staaten und Unter­nehmen können die Langfrist­zinsen nach oben drücken und die Bewer­tungs­spiel­räume an den Aktien­märkten begrenzen.

Diese kurzfri­stigen Belastungen haben uns dazu veran­lasst, die reali­sierten Gewinne nicht vollständig zu reinve­stieren und die Aktien­quote wieder in die Nähe ihres Start­ge­wichts von Anfang Jahr zurück­zu­führen.

Was ist mit Krypto-Assets und Gold los?

Unter steigenden Zinser­war­tungen und dem starken Fokus des Kapital­marktes auf KI leiden auch Gold und Krypto­wäh­rungen. Gold hat die zwischen­zeit­li­chen Gewinne von rund 20% seit Jahres­be­ginn wieder abgegeben. Noch stärker korri­gierten Bitcoin und Ethereum.

Da die struk­tu­rellen Gründe für beide Anlage­klassen intakt bleiben (hohe Staats­ver­schul­dung, langfri­stige Geldent­wer­tung und zuneh­mende geopo­li­ti­sche Risiken) halten wir an unseren Positionen fest.

Fazit für unsere Anlage­stra­tegie

Im KI-Thema bleiben wir langfri­stig investiert, nehmen jedoch gezielte Umschich­tungen vor, um Klumpen­ri­siken zu reduzieren und die Portfolio-Balance zu verbes­sern. Angesichts der soliden Konjunktur und des starken Gewinn­wachs­tums blicken wir zuver­sicht­lich auf die zweite Jahres­hälfte und sehen uns mit unserem breit aufge­stellten Portfolio sowie quali­tativ hochwer­tigen Aktien­an­lagen gut positio­niert.

Autor

Simon Lutz
Simon Lutz
Chief Investment Officer

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