Wasser als Invest­ment­thema: Branchen­trends und Portfolioent­wicklun­gen

Der April hat eindrück­lich gezeigt, wie schnell sich die Stimmung an den Finanz­märkten drehen kann. Noch im März dominierten Sorgen über den Iran-Konflikt, steigende Ölpreise und eine mögliche Belastung der Weltwirt­schaft. Wenige Wochen später erreichten zahlreiche Aktien­märkte bereits wieder neue Höchst­stände. Vor allem in den USA sorgte die anhal­tende Dynamik rund um künst­liche Intel­li­genz für starken Rücken­wind, während sich auch Europa und Japan überra­schend robust zeigten. Gleich­zeitig bleibt das Umfeld anspruchs­voll: Höhere Energie­preise, steigende Anlei­he­ren­diten und anhal­tende geopo­li­ti­sche Spannungen erinnern daran, dass die aktuelle Markt-stärke nicht mit einer Rückkehr zur Norma­lität gleich­zu­setzen ist.

Der Tareno Global Water Solutions Fund erzielte im Berichts­zeit­raum eine Rendite von +5,14% (Tranche W‑EUR) und machte damit die Verluste des Vormo­nats zu einem grossen Teil wett.

Regulie­rung, Finan­zie­rung und industri­elle Nachfrage

Im April rückte erneut ein zentrales Thema der Wasser­branche in den Vorder­grund: die Finan­zie­rung der dringend notwen­digen Infra­struk­tur­in­ve­sti­tionen. Der Branchen­be­richt „State of the Water Industry 2026“ der AWWA zeigt, dass viele Wasser­lei­tungen, Kläran­lagen und Versor­gungs­sy­steme moder­ni­siert werden müssen, gleich­zeitig aber zahlreiche Versorger finan­ziell unter Druck stehen. Viele Unter­nehmen können ihre laufenden Kosten noch immer nicht vollständig über Gebühren und Tarife decken. Für Investoren ist das eine wichtige Entwick­lung: Der Investi­ti­ons­be­darf bleibt hoch und langfri­stig intakt, die Umset­zung neuer Projekte dürfte jedoch nicht überall gleich schnell erfolgen.

Auch die US-Umwelt­be­hörde EPA kündigte im April zusätz­liche Mittel für Abwasser- und Regen­was­ser­pro­jekte an. Die bereit­ge­stellten rund USD 80 Millionen sind gemessen am Gesamt­be­darf zwar überschaubar. Sie zeigen aber, dass Investi­tionen in die Moder­ni­sie­rung von Wasser­in­fra­struktur politisch weiterhin unter­stützt werden.

Zuneh­mend relevant wird zudem der Wasser­be­darf von Rechen­zen­tren. Laut Global Water Intel­li­gence führten Sorgen um die Wasser­ver­füg­bar­keit in einzelnen Regionen der USA bereits zu tempo­rären Einschrän­kungen neuer Baupro­jekte. Damit gewinnt das Thema Wasser­ef­fi­zienz für Unter­nehmen, die Lösungen zur Wieder­ver­wen­dung, Überwa­chung und effizi­en­teren Nutzung von Wasser anbieten, weiter an Bedeu­tung.

Portfolioübergrei­fende Betrach­tung

Die laufende Berichts­saison zeigt weiterhin ein ähnli­ches Bild: Weltweit investieren Versor­gungs­un­ter­nehmen verstärkt in die Moder­ni­sie­rung ihrer Wasser­in­fra­struktur. In Gross­bri­tan­nien kündigte United Utili­ties Investi­tionen von rund GBP 2.5 Milli­arden in den Ausbau und die Erneue­rung der Wasser­netze an. Der brasi­lia­ni­sche Wasser­ver­sorger SABESP plant für 2026 Investi­tionen von rund BRL 20 Milli­arden, während auch California Water Service Group und Middlesex Water ihre Ausgaben für Leitungen, Netze und Wasser­auf­be­rei­tung weiter erhöhen.

Von dieser Entwick­lung profi­tieren Unter­nehmen, die Wasser­pro­jekte planen, bauen oder mit techni­scher Ausrü­stung belie­fern. Dazu gehören Enginee­ring­firmen wie Tetra Tech und Arcadis ebenso wie Pumpen- und Kompo­nen­ten­her­steller wie Gorman-Rupp oder IDEX Corpo­ra­tion. Bei Tetra Tech zeigte sich dies bereits konkret in den Quartals­zahlen: Das briti­sche Wasser­ge­schäft wuchs zuletzt um 12%, getragen von einer zuneh­menden Zahl neuer Infra­struk­tur­pro­jekte.

Auch die Digita­li­sie­rung des Wasser­sek­tors gewinnt weiter an Fahrt. Veolia rückte bei seiner Strate­gie­prä­sen­ta­tion im April digitale Wasser­ma­nage­ment­lö­sungen in den Vorder­grund, Itron steigerte erneut seine wieder­keh­renden Software- und Analy­se­er­löse und SABESP treibt den Ausbau intel­li­genter Wasser­zähler voran, um Netzver­luste zu senken und die Überwa­chung zu verbes­sern. All dies zeigt, dass Versor­gungs­un­ter­nehmen zuneh­mend nicht nur in physi­sche Infra­struktur investieren, sondern auch in Software, Sensorik und Effizi­enz­lö­sungen, die Betriebs­ko­sten senken und die Netzlei­stung steigern.

Die PFAS-Regulie­rung etablierte sich weiter als wichtiges Portfo­lio­thema. Lösungs­an­bieter wie Veolia oder Veralto berich­teten über verstärkte Aktivi­täten in diesem Bereich. Versor­gungs­un­ter­nehmen rüsten ihre Aufbe­rei­tungs­an­lagen nach, um den verschärften Wasser­qua­li­täts­vor­gaben gerecht zu werden; Techno­lo­gie­an­bieter profi­tieren von der wachsenden Nachfrage nach entspre­chenden Filtra­tions- und Behand­lungs­lö­sungen.

Nicht alle Meldungen des Monats waren positiv. Kemira verzeich­nete Währungs­ge­gen­wind und Störungen durch die Spannungen rund um den Iran-Konflikt; Sulzer meldete Verzö­ge­rungen bei einigen Projekten im Nahen Osten; und A. O. Smith sieht sich weiterhin mit schwä­cherer Nachfrage in China konfron­tiert. Zum jetzigen Stand erscheinen diese Belastungen beherrschbar und dürften den langfri­stigen Ausblick nicht grund­le­gend verän­dern.

Portfoliopositionie­rung

Die Entwick­lungen im April bestärken uns in unserem ausge­wo­genen Portfo­lio­an­satz. Die Kombi­na­tion aus defen­si­veren Wasser­ver­sor­gern und Infra­struk­tur­be­trei­bern auf der einen und zykli­scheren Industrie- und Techno­lo­gie­werten auf der anderen Seite verleiht dem Portfolio Stabi­lität über verschie­dene Markt­phasen hinweg.

Wir befinden uns derzeit etwa in der Mitte der Berichts­saison. Auf Basis der vorlie­genden Ergeb­nisse sehen wir keine Anzei­chen dafür, dass die positive Dynamik des Aprils wesent­lich nachlässt. Dennoch bleibt das geopo­li­ti­sche Umfeld schwer einschätzbar, insbe­son­dere was Energie­preise, Liefer­ketten und Wechsel­kurse betrifft. Wir behalten regula­to­ri­sche Entschei­dungen in den USA, Finan­zie­rungs­ent­wick­lungen im briti­schen Wasser­sektor sowie das Tempo der Margen­er­hö­hung bei China-exponierten Unter­nehmen weiterhin eng im Blick.

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Stefan Schütz
Fund Manager
s.​schuetz@​tareno.​ch

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Bilder: Marijke Vosmeer, Luzia Hunziker, Jürg Kaufmann, Istock, Unsplash / Grafiken: Tareno AG